
Es war früh am Morgen, als die Menschenfrau mit einer grossen Schaufel kam. „Heute bauen wir euer Gehege um!“, sagte sie fröhlich. „Neue Häuschen, mehr Platz und ein ganz viele Tunnels und Büsche zum Auskundschaften bekommt ihr auch.“
Jimmy und Arja quiekten neugierig. Doch Tina blieb still. Ihr Herz klopfte ein wenig schneller als sonst. Veränderungen mochte sie wirklich gaaaaar nicht. Sie wusste, dass sie während dem Umbauen ganz sicher irgendwo anders wohnen müssten, denn sonst wäre das ja gefährlich.
Und so war es auch. Die Menschen-Mama fing zuerst Jimmy ein, der laut quieckte, und setzte ihn in die grosse Transport-Box. Dann Arja und zuletzt Tina. Sie wollte nicht und rannte davon, so schnell sie nur konnte und versteckte sich in einem Häuschen in der hintersten Ecke. Die Menschen-Mama brauchte wirklich Geduld, bis sie auch sie eingefangen hatte.
In der Transport-Box mit Heu und Gurkenscheiben drin, trug sie die drei in einen andern Teil des grossen Gartens. Dort war ein Ersatzgehege aufgebaut. Nicht weit entfernt, aber trotzdem fremd. Tina kuschelte sich tief ins Heu. Sie fühlte sich nicht so gut.
„Hier riecht alles anders“, murmelte sie.
Ganz anders die beiden andern Meerschweinchen DIE. fanden es toll, eine neue Gegend auszukundschaften.
„Schau mal, dort gibt’s Lavendel!“, rief Arja.
„Und frischen Löwenzahn!“, fügte Jimmy hinzu und war bereits am Fressen.
Doch Tina war nicht begeistert. Sie seufzte leise. „Ich will nach Hause. Ich mag mein altes Häuschen, und den grossen Stein, neben dem es immer so schön kühl ist…“
Später am Tag, als Arja und Jimmy schliefen, lag Tina bei ihnen, war aber als einzige wach. Plötzlich hörte sie ein leises Rascheln. Und eine tiefe, ruhige Stimme sagte: „Was bist du denn für eine?“ Vor ihr stand eine grosse, alte Schildkröte mit runzligem Hals und ruhigem Blick. Sie schien sehr weise und auch sehr freundlich zu sein.
„Ich bin Tina“, flüsterte sie. „Ich wohne eigentlich dort drüben, wo umgebaut wird.“
Die Schildkröte nickte langsam. „Ich wohne hier schon lange. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass der Apfelbaum mal ganz klein war. Das ist schon lange her… Und ich weiss, wie es ist, wenn man sich nicht daheim fühlt.“
Tina spitzte die Ohren. „Wirklich?“
„Oh ja“ sagte die Schildkröte. „Aber weisst du: Manchmal wachsen die schönsten Erinnerungen genau da, wo man es nicht erwartet.“
Am nächsten Tag kam die Schildkröte wieder und zeigte Tina ihr Lieblingsplätzchen unter dem Fliederbusch. Gemeinsam hörten sie dem Wind zu, und Tina erzählte von ihren Freunden, dem warmen Häuschen, dem duftenden Heu und wie schön es dort doch war.
Und ganz langsam wurde ihr Herz ein wenig leichter.
Die Schildkröte verbrachte jetzt ganz viel Zeit mit den Meerschweinchen und sie wurden Freunde.
Nach vier Tagen kam die Menschen-Mama zurück. „Fertig!“, rief sie fröhlich.
Als die Meerschweinchen zurück ins neue alte Gehege kamen, staunten sie. Gemütliche neue Häuschen, schöner Rasen und viel Holz zum Knabbern und sich verstecken und sogar ein Tunnel warteten auf sie!
Tina drehte sich noch einmal um pfiff ein paar Mal laut, um die Schildkröte zu grüssen. Die Schildkröte hatte ihr versprochen, sie bald zu besuchen.
ENDE.



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