
Es war früh morgens, als die drei Meerschweinchen aufwachten und der Morgensonne entgegen blinzelten. Arja streckte sich genüsslich, Tina gähnte laut und Jimmy sass ganz still in seinem Häuschen. Das kam den andern beiden komisch vor, denn normalerweise wr Jimmy morgens der Erste, weil er immer am meisten Hunger hatte.
„Guten Morgen, Jimmy!“, rief ihm Tina zu. Doch Jimmy antwortete nicht. Arja stupste ihn mit der Nase an. „Willst du denn kein Frühstück? Du hast doch sicher Hunger? Die Menschen-Mama hat frisches Gras gebracht!“
Aber Jimmy drehte sich nur ein kleines bisschen weg und schloss die Augen. Sein Bäuchlein machte komische Geräusche und er fühlte sich gar nicht gut. Leise fiepte er.
Die Menschen-Mama kam wie jeden Tag mehrere Male ans Gehege. Sie sah sofort, dass etwas nicht stimmte.
„Jimmy, mein Schatz, du frisst ja gar nicht“, sagte sie leise. „Oh nein, das ist gar nicht gut.“
Meerschweinchen müssen fast die ganze Zeit etwas fressen. Wenn sie das nicht tun, kann es schnell gefährlich werden. Die Menschen-Mama. war zum Glück eine richtige Expertin. Sie zögerte keine Sekunde.
Es war heute ganz einfach, Jimmy aus dem Gehege zu nehmen, denn er lag einfach nur da. An normalen Tagen war das jeweils ein Riesen-Theater, das könnt ihr mir glauben. Da rannte er davon, versteckte sich und es dauerte immer eine Weile, bis sie ihn hatte. Heute nicht. Sie sah, dass sein Bäuchlein ganz dick war.
„Komm, mein Bube, wir fahren gleich zur Tierärztin“, sagte sie und holte die Transportbox.
Tina und Arja sahen ängstlich zu. Die Transportbox war ein kleines Körbchen mit einer weichen Decke darin. Jimmy wurde vorsichtig hineingesetzt. Er quiekte leise. Es war ihm nicht geheuer, aber er war zu schwach zum Strampeln.

„Ich pass gut auf ihn auf“ versprach die Menschen-Mama und streichelte Tina und Arja sanft über den Kopf. „Ihr zwei wartet hier. Ich beeile mich.“
Tina schaute der Box traurig hinterher, als die Tür hinter ihnen zuging. Wenn eines von ihnen oder gleich alle einen Ausflug zur Tierärztin machen mussten, waren sie alle jeweils sehr nervös. Eigentlich waren sie einfach am liebsten zuhause in ihrem Gehege.
Die Autofahrt war holprig. Jimmy zitterte ein wenig, aber die Menschen-Mama sprach beruhigend auf ihn ein. Bei der Tierärztin ging alles ganz schnell. Jimmy wurde untersucht, gewogen und abgetastet.
„Er hat Blähungen“, sagte die Tierärztin freundlich. „Aber es ist gut, dass ihr so schnell gekommen seid. Jetzt bekommt er Medizin und dann geht es ihm bald besser.“

Die Menschenfrau war erleichtert. Jimmy bekam ein bisschen Sab Simplex auf ein Löffelchen, und die Tierärztin erklärte ganz genau, wie sie ihn auch zu Hause versorgen konnte. Die Krallen wurden auch gleich noch geschnitten – zack, zack, zack – das mochte Jimmy nicht besonders, aber er hielt tapfer still.
Zu Hause warteten Arja und Tina ungeduldig. Als die Box wieder ins Gehege gestellt wurde, stürmten sie sofort hin.
„Jimmy! Wie geht es dir?“, piepste Arja.
„Du riechst nach Arzt!“, meinte Tina und schnupperte neugierig.
Jimmy lächelte schwach. „Ich hatte Bauchweh. Aber ich hab Medizin bekommen.“ Er fühlte sich tatsächlich bereits ein wenig besser und war beruhigt, dass es nichts Schlimmeres war und auch, dass die Menschen-Mama mit ihm bei der Ärztin war. Aber am Besten war es, wieder bei Tina und Arja zu sein.
Die drei kuschelten sich zusammen ins Häuschen. Tina schob ihm ein paar Hälmchen frisches Heu hin und Jimmy knabberte daran.
„Er frisst wieder!“, quietschte Arja glücklich. Und die Menschenfrau lächelte erleichtert. Sie brachte für jedes Meerschweinchen ein grosses Stück Gurke aus der Küche mit, denn sie wusste, dass das ihr Lieblingsessen ist.
Am Abend waren heute alle drei besonders erschöpft, denn das war ein ereignisreicher Tag gewesen. Alle waren froh, dass es Jimmy besser ging. Die Menschen-Mama und das Menschenkind kamen am Abend nochmals auf Besuch, um Petersilie, Dill und Salat zu bringen und um nach ihnen zu schauen, bevor dann alle schlafen gingen…
ENDE.



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