Drei kleine Superhelden – Das geheimnisvolle Gesicht im Wasser


Tina sieht das geheimnisvolle Gesicht im Wasser… (Bild: ChatGPT)

Es hatte die ganze Nacht geregnet, nun aber erwachte der Tag mit Sonnenschein, die Wolken zogen langsam davon. Das Gras glitzerte nass in der Sonne und auch auf den Blumen und Blättern hingen noch volle Wassertropfen, überall auf dem unebenen Boden sammelte sich das Wasser zu kleinen Pfützen.

Tina, das hellbraune Meerschweinchen mit dem langen, seidig glänzenden Fell, lief vorsichtig über den weichen Boden. Sie hatte sich ein bisschen von den anderen entfernt, weil sie ein paar saftige Löwenzahnblätter gefunden hatte, die sie unbedingt pflücken und später fressen wollte.
Doch plötzlich blieb sie stehen. Mitten auf dem Weg lag eine ziemlich grosse Pfütze und darin sah sie ein Gesicht. Grosse, dunkle Augen sahen sie aus einem wuscheligen hellen Fellgesicht verdutzt an.
Tina erschrak.
„Hallo?“ flüsterte sie leise. Das Wesen im Wasser antwortete nichts, es starrte sie einfach nur weiter an.

Die kleine Tina beugte sich vorsichtig näher heran, denn Meerschweinchen sind wahnsinnig neugierig. Das Gesicht im Wasser tat genau dasselbe, es kam näher, als wollte es Tina ganz genau betrachten.

Da wich dann die Neugier doch ein wenig der Angst und Tina schreckte zurück. „Da ist jemand im Wasser!“, rief sie und rannte so schnell sie konnte zurück zu ihren beiden Freunden.
Jimmy, der mutige Anführer mit dem kurzen dunklen Fell, und Arja, das schneeweisse, vorwitzige kleine Meerschweinchen sahen sie ganz erstaunt an.

„Wirklich! Da drüben! Da ist ein Meerschweinchen in der Pfütze! Es hat mich angesehen!“, keuchte Tina aufgeregt.
Jimmy zog sofort seine kleine Detektivmütze zurecht. Das war ein Fall ganz nach seinem Geschmack: „Dann haben wir ein neues Rätsel, Freundinnen. Auf zur Pfütze!“

Mission „Das geheimnisvolle Gesicht im Wasser“

Im Galopp rannten die drei Meerschweinchen zur kleinen Pfütze, Tina voraus. Die Sonne stand inzwischen höher, und das Wasser schimmerte wie flüssiges Glas.
„Da!“, flüsterte Tina. Sie schaute ins Wasser und zeigte mit der Pfote auf das Gesichtchen, das dort wieder erschien.

„Hm…“, murmelte Arja, während sie eine kleine Lupe aus ihrer Umhangtasche zog. „Es sieht aus wie du und es bewegt sich genau wie du, Tina.“
„Vielleicht ist es verzaubert?“, überlegte Jimmy. „Oder es steckt fest in einer anderen Welt, direkt unter dem Wasser!“ An Fantasie hatte es ihm noch nie gemangelt. Tausend Ideen gingen ihm durch den Kopf, was da los sein könnte!

Die drei setzten sich am Rand der Pfütze hin, um gründlich nachzudenken. Tina legte ihren Kopf schief. „Aber sie sieht genauso aus wie ich… Ist das vielleicht… ICH?“
Jimmy überlegte. „Hast du dich denn schon mal selbst gesehen, Tina?“
Tina schüttelte den Kopf. „Nein, nie. Wir haben im Gehege ja keinen Spiegel. Ich dachte, ich bin ganz anders! Ich wusste gar nicht, dass meine Haare so… wuschelig sind.“
Arja kicherte. „Ich finde, du siehst sehr hübsch aus“ und dabei wurde Tina ganz warm ums Herz. Aber dann runzelte sie die Stirn. „Aber wenn das wirklich mein eigenes Gesicht ist… wie kann ich sicher sein? Was, wenn da doch jemand anderes drin wohnt oder sogar gefangen gehalten wird?“

Die drei beschlossen, jemanden zu fragen, der sich mit Wasser auskennt. Sie liefen zur alten Weide am Teich, wo ein grosser, grüner Frosch lebte. Er hiess Herr Quark (er hatte vor ein paar Jahren eine Namensänderung beantragt, da er „Quack“ zu gewöhnlich fand), er trug eine kleine Brille und war sehr, sehr klug.
„Ein Gesicht in einer Pfütze?“, sagte Herr Quark und kraulte sich nachdenklich das Kinn. „Das klingt nach einem Spiegelbild. Wasser kann sowas. Es zeigt, wie DU aussiehst – aber andersherum.“
„Also… es ist doch nur ich?“, fragte Tina vorsichtig.
„Ganz genau“, nickte Herr Quark. „Aber weisst du was? Es ist gar nicht NUR du. Es ist nämlich etwas ganz Besonderes, sich selbst zu sehen. Nicht jeder traut sich, wirklich hinzusehen, sich wirklich anzusehen. Zu sehen, wer man ist. Innen UND aussen.“

Tina war ganz still.
Dann ging sie langsam zurück zur Pfütze. Sie schaute hinein, diesmal ganz ruhig. Und sie lächelte. Tina sah ihr eigenes Lächeln im Wasser und ihr Herz klopfte richtig laut vor Glück! Sie lächelte noch mehr und ebenso ihr Spiegelbild.

„Ich glaube, ich habe heute etwas Wichtiges gelernt“, sagte sie leise: „Ich bin ich. Und das ist gut so.“

Jimmy nickte stolz und Arja legte ihr eine Pfote auf die Schulter.

Dann sangen die drei Freund:innen ein kleines Lied und tanzten vergnügt um die Pfütze herum.

ENDE.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.