
Bisschen philosophieren?
Es ist immer dasselbe Leben, aber immer wieder neue Wege und unterschiedliche Gefährt:innen.
Ich glaube, manchmal bewegen wir uns so sehr in einem Schema, zwischen hohen Leitplanken, dass wir ganz vergessen, dass sehr viele verschiedene Wege irgendwohin führen. Genau. Nach irgendwo. Denn wissen wir denn ganz genau, wohin wir wollen? Wenn die Geburt der Anfang ist, was ist dann das Ziel? Das Ende? Der Tod? Ich glaube, man muss vermutlich ziemlich stark gläubig sein, um dies als dieses „Irgendwo“ super zu finden. Ja, vielleicht kommt danach noch etwas und vielleicht ist dieses Leben die Vorbreitung drauf… Wer WEISS das schon… Glauben kann man alles.
Ich weiss es nicht und ich weiss auch nicht, was ich glauben soll. Ich würde es mir wünschen, dass das hier nicht alles war. Aber was, wenn es das doch ist? Wenn wir einfach nur dieses eine Leben haben? Wenn wir ehrlich sind, dann sieht es ja eigentlich ganz danach aus, oder? Und dann ist es ja ganz besonders wichtig, dass wir dieses eine Leben genau so leben, wie und dass es uns unglaublich. glücklich macht. Aber tun wir das denn?
Und damit wären wir wieder bei diesem oben genannten Schema. Bei diesen hohen Leitplanken, die uns so vieles vorgeben und uns durchs Leben (zu) führen (scheinen)…
Ich bin mir gerade am Überlegen, was ich in die Abschiedskarte für meine Arbeitskollegin schreibe, die bald in Pension geht. Aber statt einfach „Alles Gute und blabliblabla“ zu schreiben, muss ich mir ja darüber wieder weiss nicht wieviele Gedanken machen. Ich habe ja mal gelesen, dass man sich so um die 60.000 Gedanken pro Tag macht. Ich glaube, bei mir sind es mehr. Mir Gedanken zu machen ist sozusagen mein Hobby. Ich mach das richtig gern und es bringt mich immer wieder zu Orten, an denen ich noch nie zuvor war.
Jedenfalls ist es ja spannend, so einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und natürlich zuvor einen andern abzuschliessen. Vermutlich ist man ja nicht in zwei Lebensabschnitten zur selben Zeit, obwohl sie sich ganz sicher – zumindest gedanklich – für eine lange Weile überschneiden.
Wenn also jemand aufhört zu arbeiten, dann fällt ein sehr wichtiger und auch grosser Lebensinhalt weg. Je nachdem, in welchem Pensum wir arbeiten, sind das viele Stunden und oft sogar ist die Arbeit das, was bei uns am meisten Zeit einnimmt. Also, das fällt weg. Ganz viele Stunden, die man anders füllen darf. Es fallen aber auch andere Dinge weg, die für uns Menschen wichtig sind. So zum Beispiel unsere Struktur. Die Arbeit strukturiert uns ja stark. Da sie der grösste Teil davon ist, bestimmt sie unseren Tagesablauf.
Irgendwann mal hat die Menschheit bestimmt, dass die Arbeit wohl erste Priorität haben soll bzw das Geld verdienen. Alle andern Dinge, die wir gern tun und womit wir gern Zeit verbringen, für die rechnen wir viel weniger Zeit ein als für die Arbeit. In der Pension ist dies dann umgekehrt bzw das eine fällt dann weg. Also womit möchte man diese gewonnene Zeit denn füllen? Hält man es aus, „nichts“ zu tun? Kann man sich selbst strukturieren?
Das kann ein Segen sein, das kann aber auch eine Herausforderung sein, denke ich.
Etwas nicht unwichtiges, was ebenfalls wegfällt, sind die sozialen Kontakte bei der Arbeit. Für mich ist das etwas sehr prioritäres bei der Arbeit. Natürlich muss ich die Arbeit gern machen, klar. Aber die Arbeit kann noch so toll sein, wenn die sozialen Kontakte dort nicht toll sind, ist der Job einfach nicht toll.
Wenn man also pensioniert ist, dann kommt man nicht mehr automatisch in Kontakt dadurch, dass man ja die Arbeitskolleg:innen sieht, sondern man wird es sich organisieren müssen, Menschen zu sehen.
Ich glaube, manchmal denken wir, ein neuer Lebensabschnitt sei sowas wie ein neues Leben. Aber das stimmt nicht. Es gibt kein neues Leben. Nie. Es ist immer dasselbe. Aber schlussendlich haben wir unendlich viele Möglichkeiten, die wir einschlagen können / könnten. Vielleicht lohnt es sich, zwischendurch mal die Leitplanken runter zu schieben und mal zu gucken, was es dort zu sehen gibt.
Vielleicht ist das einer dieser Aspekte, die das Leben einfach immer wieder zu spannend machen… die BALANCE zu finden.
Immer. Wieder. Zu. Finden.
Und sich aber auch zu trauen, sie zu verlieren. Auf einem Grat zu balancieren. Einfach, um neue Wege zu entdecken. Neue Möglichkeiten. Neue Menschen. Neue Orte. Neue Gedanken. Neue Ideen. Neue Ansichten, Aussichten und Einsichten.
Vielleicht auch mal Wege, von denen man gar nicht so genau weiss, wohin sie uns führen.
Immer mit einem Fuss noch ein wenig in der Sicherheit zu bleiben, während wir mit dem andern in eine Wasserlache treten von der wir nicht so genau wissen, ob es nur eine Pfütze oder das grosse, tiefe Meer ist…
Die Hand auszustrecken und nicht zu wissen, ob sie jemand in die seine / ihre nehmen wird oder sie abbeisst…


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