Vom Sterben und allerlei anderen Dingen


Vielleicht ist am Sterben
nicht das Sterben das Schlimmste,
sondern das hier bleiben.

Sterben ist nicht einfach nur das Ableben einer Person oder auch eines Tieres.
Sterben ist nicht nur das Ende eines Lebens.

Es ist immer auch ein Loslassen. Ein schmerzhaftes Loslassen, weil geliebte Personen immer einen Teil von uns mitnehmen.
Sie lassen aber auch einen Teil von sich bei uns. Das spüren wir manchmal erst später, wenn der Schmerz der aufgerissenen Wunde etwas kleiner geworden ist.
Es ist so oft auch ein nicht Verstehen. So viele Fragen bleiben manchmal offen. So viele Versuche, das Sterben und den Tod zu verstehen, vergeblich.

Der Tod überfordert uns, denn es ist schwierig mit ihm umzugehen.
Viele empfinden es auch schwierig, mit trauernden Menschen umzugehen. Aber das ist es eigentlich gar nicht, denn nichts was du tust oder sagst, wird den Schmerz und die Trauer lindern können und das muss es auch gar nicht. Nimm Druck von dir weg und benimm dich einfach normal.
Aber auch gar nichts, was du tust oder sagst kann die Trauer verschlimmern. Wenn der trauernde Mensch anfängt zu weinen, ist das nicht wegen dir, sondern weil er / sie ganz viel Trauer in sich trägt und weil Trauer uns Menschen so sehr übermannen /-frauen kann. Das ist einfach so. Weinen ist voll okay, das muss niemanden überfordern. Es ist doch super, wenn jemand seine Gefühle ausdrückt. Lachen finden wir ja auch nicht verstörend.
Das was uns verunsichert ist, dass wir nicht wissen, was wir dann tun sollen, damit diese Person wieder aufhört zu weinen. Am besten wäre es sogar, sie würde lachen. Aber das ist total bescheuert. Damit würden wir von einer Person verlangen, sich zu verstellen, damit wir uns besser fühlen.
Furchtbare Vorstellung. Gefühle sind ja trotzdem da, egal ob man sie nach aussen zeigt oder nicht.
Wir müssen nicht machen, dass weinende oder trauernde Menschen damit aufhören. Wir müssen auch nicht trösten. Wir können einfach da sein. Es ist wie beim Lachen. Manchmal lachen wir mit und manchmal nicht. Manchmal weinen wir mit und manchmal nicht. Und dann sollen sie halt lachen oder weinen so lange, wie es eben braucht…

5 Antworten zu „Vom Sterben und allerlei anderen Dingen“

  1. So ist es. Erfahrungsgemäß freuen Trauernde sich auch, wenn sie auch weiterhin vor allem als Mitmenschen, nicht nur als Person im Ausnahmezustand wahrgenommen werden.

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  2. Danke für deinen schönen Kommentar!
    Ich habe immer das Gefühl, alles ist besser als sich nicht mehr zu melden oder Begegnungen zu vermeiden.

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  3. Ein wunderbarer Beitrag. Ich möchte ergänzen: Oft wird von Trauernden erwartet, nach einer gewissen Zeit mit ihrer Trauer „durch“ zu sein und wieder „normal“ zu leben. Auch das ist eher Ausdruck einer Hilflosigkeit, mit dem individuell sehr unterschiedlichen Prozess umzugehen.
    Ich habe mir schon seit langem angewöhnt, gar nichts zu sagen, sondern trauernde Personen einfach in den Arm zu nehmen oder was mir sonst angemessen scheint. Vollkommen ohne Worte – weil sie mir oft so leer und hohl vorkommen.

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  4. Da hast du total recht!

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  5. Eine Trauerbegleiterin versucht immer wieder, in der Volkshochschule hier im Landkreis Seminare anzubieten die sich mit der Trauer und den Umgang mit Betroffenen beschäftigen. Bislang fanden die Kurse nicht statt, weil sich außer mir nur noch eine andere Person dafür interessiert. Ich finde das schade. Es ist ja wirklich so, wie Du schreibst: der Tod überfordert uns und wenn ein nahestehender Mensch stirbt, befinden wir uns in einer absoluten Ausnahmesituation. Es wäre doch schön, sich einmal ein Wochenende zu diesem Thema zusammen mit anderen zu beschäftigen. Es schließt für mich auch den Gedanken an den eigenen Tod mit ein.

    🙋‍♀️

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.