September


Es braucht viel Mut,
zu erzählen, dass man traurig, erschöpft
oder krank ist und wenn man sich viele Sorgen macht.
Wie viel einfacher wäre es,
wenn wir einander solche Dinge
einfach erzählen könnten
ohne Angst zu haben.

Das ist mein Text auf meinem September-Kalenderblatt.

Ich könnte sehr viel dazu schreiben, weil es mir sehr auf dem Herzen liegt. Für mich selber und für soooo viele andere Menschen, die lieber nichts sagen und daran krank werden innerlich…

In allem versuchen, das Gute zu sehen, das was gut läuft und das was uns hilft, das bedeutet nicht, all das andere nicht zu sehen. Es bedeutet nur, den Fokus auf eine Verbesserung, auf das Gute und auf unsere Fähigkeiten zu setzen.
Ich glaube tatsächlich, dass es sehr wichtig ist, sich alles anzuschauen und sich auch allem zu stellen. Nur so kann man Erlebnisse, Ereignisse und Dinge verarbeiten und hinter sich lassen. Sie als Teil von uns akzeptieren, aber nicht mehr davon geleitet werden. Manchmal wächst man tatsächlich daran und manchmal ist es einfach ein grosser Mehrwert, wenn es einen nicht mehr so stark belastet.
Ich denke das ja immer, wenn ich zB bei Twitter oder FB oder so lese und vor jedem zweiten Beitrag eine Triggerwarnung gesetzt wurde. Das sollte so nicht sein, wirklich nicht. Wenn etwas uns dermassen triggert, dass wir darüber nicht lesen können, dann ist es unbedingt erforderlich, da ganz, ganz genau hinzuschauen. Natürlich unter Begleitung einer Fachperson.

Und mit „triggern“ ist nicht gemeint, dass es ein ungutes Gefühl hervor ruft, Erinnerungen oder Unbehagen. Mit „triggern“ ist gemeint, dass es jemanden total aus den Schuhen jagt, in einen psychisch schlimmen Zustand. Also ein ungutes Gefühl x100, um es noch immer sehr abgeschwächt zu formulieren. Wir sprechen da von Panik, wahnsinnigen Ängsten usw.
Da muss man ja auch sagen, dass der Begriff „triggern“ einfach auch sehr oft total falsch verwendet wird.
Man darf sich auch gerne dafür entscheiden, gewisse Themen ein wenig im Hintergrund zu behalten, aber man darf nie für andere entscheiden, sie müssten es auch so handhaben.

All die in meinem Kalender-Text beschriebene sind normale Dinge, die zum Leben gehören. Sie haben ihre Berechtigung und sie sind okay. Aber nach wie vor sind sie stigmatisiert und das ist ja dann auch gerade einer der Hauptgründe, dass wir Menschen so oft so tun, als wäre alles perfekt. Das ist es aber ja selten oder immer mal wieder nicht.

Es ist ein grosser Wunsch von mir, die Dazugehörigkeit aller Gefühle und Befindlichkeiten zu normalisieren und ihnen und einander gegenüber offener zu begegnen, auch in dieser Hinsicht.
Dieses ewige Maskieren, innerlich und äusserlich, empfinde ich als eine sehr ungesunde Art zu leben.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.