Das Beste


Ich würde sagen, das Beste das wir aus allem machen können ist, alle Erfahrungen mitzunehmen und daran zu wachsen. Und wenn das schwierig ist im Moment, weil es einfach so schwer und belastend ist, dann braucht es noch Zeit.
Erfahrungen sind nicht immer nur wertvoll. Ganz oft sind sie sehr herausfordernd und machen uns das (Weiter-)Leben unglaublich schwer. Sie sind wirklich oft geprägt von Schmerz, Angst und Verlust. Damit umzugehen, das ist kein Kinderspiel, das fordert einen ganz schön. Das kann einen schon zwischendurch mal stolpern lassen.

Ich persönlich finde, dass es wichtig ist, uns mit den Themen und Situationen zu befassen, die uns das Leben gibt. Das bedeutet nicht, immer auf jeden Zug aufzuspringen, sondern ganz fest bei uns selbst zu sein und genau zu wissen, welche meine Situationen sind und welche nicht. Denn so kann ich mich viel besser abgrenzen und das ist für alle gut. So kann ich mich gut um meine Dinge kümmern, so kann ich aber auch gut für andere da sein, ohne daran kaputt zu gehen, weil ich nichts zu meinem Problem mache.

Ich habe es erlebt, dass andere Menschen mit MEINEN Situationen so sehr überfordert waren, (sich dessen jedoch nicht bewusst waren), dass sie den Kontakt abbrachen. Ehrlich gesagt, war ich mir dessen bis jetzt auch nicht so wirklich bewusst. Mich hat das in solchen Situationen sehr verletzt, ich habs nicht verstanden und ich habe die Gründe dafür bei mir gesucht. So wird es ja dann auch gerne vermittelt von Personen, die unreflektiert handeln. Also „ich bin einfach too much“, „ich habe etwas falsch gemacht“, „ich bin eine Zumutung“, „Was habe ich falsch gemacht?“

Aber man stelle sich DAS mal vor. Ich bin wie gesagt zB in der Situation, in der ich eine sehr grosse Schwierigkeit bewältigen muss. ICH. Und es gibt Menschen, die damit masslos überfordert sind (mit MEINER Situation, die SIE null betrifft) und dann ja nicht selten dazu auch noch meinen, einem raten zu müssen, was man alles anders machen müsste und einem das Gefühl vermitteln, SIE würden das viel besser wuppen. Bzw SIE kämen ja NIE IM LEBEN in eine solche Situation. Schon krass, oder?
(„In eine solche Situation“ = die normalen Situationen des Lebens… Krebs- oder andere Erkrankungen, Todesfälle, Unfälle usw und nicht irgendwas komisches „Selbstverschuldetes“ oder etwas, wo man eine Wahl gehabt hätte).

Mir ist es noch nie passiert, dass mir die Situation von jemand anderem wirklich extrem überfordert oder zuviel wird bzw ich kann damit umgehen. Überfordern kann mich schon manches. Aber nur im Moment. Und dann gehe ich damit um.
Ich kann das nicht besser als ein paar andere. Ich habe einfach keine Angst davor.
Ich kenne die Themen des Lebens. Schlussendlich sind es immer dieselben, einfach in immer wieder anderen und neuen Situationen. Und ich finde es wichtig, Menschen darin beizustehen. Ich muss nichts für jemanden lösen ausser für mich selbst. Bei andern darf ich einfach zuhören, manchmal etwas dazu sagen, nachfragen und ihnen das Gefühl geben, nicht allein zu sein und verstanden zu werden.
Ich kann gut unterscheiden zwischen meinen und andern Baustellen. DAS ist dieses „jemandem Beistehen“, für jemanden da sein“. Das ist Freundschaft und das ist auch Menschlichkeit, finde ich. Und wenn man mal nicht weiss, wie man reagieren soll oder was man sagen soll, dann sagt man halt genau das. Das ist authentisch und total nachvollziehbar.
Ich finde es eigentlich gar nicht so schwierig und doch scheint es das zu sein.

Ich glaube, das Leben und seine Ereignisse kann aus einem einen resignierten Menschen machen und wirklich, ich kann das nachvollziehen. Ich finde es aber schade und eigentlich auch gar nicht nötig.
Man kann das Leben auch anders leben. Im Kleinen das Schöne sehen. Lösungen sehen oder suchen statt überall nur Probleme. Schlimme Lebenssituationen annehmen, wenn sie kommen, Erfahrungen mit andern teilen, sie verarbeiten und in Empathie und Wissen umwandeln. Verletzlichkeit als solches annehmen und genau dies wird einem soooo wahnsinnig stark machen, das ist einfach so. So empathisch und sooo stark.

Das ist eine wichtige Eigenschaft. Ebenso wie die Fähigkeit zu kommunizieren. Menschen, die Kontakte abbrechen und aufhören zu reden (oder man kann natürlich auch anders kommunizieren), wenn etwas geklärt werden soll, die besitzen diese Fähigkeit nicht und vielleicht auch nicht die Fähigkeit, über sich selbst nachzudenken oder die eigenen Anteile zu sehen, sondern immer nur die der anderen. Das ist einseitig und sehr einfach, jedoch überhaupt nicht zielführend. So hinterlassen sie verletzte Menschen und werden sich nicht entwickeln.
Schade, aber es ist nun mal einfach so. Bei erwachsenen Menschen ist Entwicklung Selbstverantwortung. Auch da bin ich nur für mich selbst verantwortlich.

Das Beste ist es, das Leben und seine Themen anzunehmen und sich einfach bewusst zu sein, dass es nicht nur immer geil ist, zu leben. Ganz oft ist das eine riesige Herausforderung und zuweilen müssen Menschen sich so richtig durchkämpfen. All das meistens, während sie von aussen ganz normal aussehen. Die inneren Wellen und Stürme sieht man von aussen nicht. Nicht selten wird diese Fassade von Sonnenschein und „es geht mir gut“ krampfhaft aufrecht erhalten und daran ist nicht diese einzelne Person schuld, sondern wir als ganz Gesellschaft. Weil man sich angreifbar macht, wenn man verletzlich ist. Weil man als schwach beurteilt wird, obwohl man gerade Superkräfte hat und Situationen bewältigt, die unterirdisch sind. Dasselbe betr. Thema Belastbarkeit. Wie oft meint man, man sei einfach momentan nicht so belastbar, leistet aber das Dreifache wie andere?

Und das läuft falsch, meine Lieben.
Hinterfragt das mal.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.