
Altern wird ja irgendwie als etwas Negatives angeschaut bzw viele möchten älter oder sogar möglichst alt werden, aber man sollte es ihnen am liebsten weder ansehen noch anmerken.
Ich halte das für Blödsinn, obwohl ich sagen muss, diesem Trend dann zu trotzen, ist gar nicht einfach. Vermutlich ganz besonders als Frau.
Oder warum sonst sind unsere Handy-Kameras mit Filtern ausgestattet und es existieren unendlich viele Apps mit solchen?
Warum sieht man immer und überall retouchierte Bilder und warum ist das Geschäft mit Schönheits-Operationen oder -Eingriffen eines der grössten überhaupt?
Das ist doch eigentlich Scheisse, wenn man es sich recht überlegt, oder? Und eigentlich machen wir Menschen uns so damit das Leben so schwer, weil wir uns selbst und einander nicht so altern lassen, wie es einfach menschlich wäre.
Ich habe das schon mal geschrieben und ich schreibe es nochmals. Ich bin so dankbar um jedes Jahr, das mir mein Leben schenkt. Ich bin nun drei Jahre älter als meine Mutter es wurde und ich hatte für lange Zeit Angst, ich würde auch so jung wie sie sterben. Aber ich bin noch da und das ist auch wichtig, weil mein Kind mich noch braucht.
Ich möchte es mir zugestehen, älter zu werden und auch, dass man das mir ansehen darf. Und ich finde, man kann durchaus in Schönheit älter werden. Ich kenne sooooo viele extrem gut aussehende ältere Menschen.
Ich habe das Gefühl, meine Falten seien in den letzten ein, zwei Jahren gediehen wie wahnsinnig. An mir selber ist es gewohnheitsbedürftig, weil sie bewirken, dass ich mich äusserlich verändere. Aber es ist eigentlich schon okay.
Ich finde übrigens graue Haare mega schön. Tatsächlich auch meine.
Deswegen will ich auch mich selbst mit diesen wohlwollenden Augen ansehen.
Es sind ja nicht nur die Falten und die grauen Haare… körperlich verändert sich einiges. Plötzlich spüre ich Körperteile, von denen ich gar nicht wusste, dass sie schmerzen können. Meine körperlichen Grenzen sind sich am Verschieben. Es ist okay.
Und nicht nur körperlich.
Auch innerlich.
Psychisch. Und auch geistig.
Die innerlichen Veränderungen finde ich eigentlich ziemlich cool. Ich glaube, ich war noch nie so sehr mich selbst wie jetzt und die Entwicklung ist noch nicht mal abgeschlossen. Ich habe das Gefühl, so richtig gut auf meinen Füssen zu stehen. Die Wurzeln, die in den letzten Jahrzehnten wachsen durften, sind tief im Boden verankert und geben mir Halt und einen guten Stand. So gut, dass ich meine Gedanken und meine Arme weit hinauf in den Himmel strecken kann, um die Sterne zu berühren und auch mal einen runter zu nehmen, wenn ich das möchte, ohne gleich das Gleichgewicht zu verlieren.
Das finde ich etwas, das mit dem älter werden immer besser wird. Es braucht Jahrzehnte, viele, viele Erfahrungen und auch einiges an Wissen, damit dieses Ich reifen kann. Manches kommt einfach so mit den Jahren, anderes muss man sich sehr hart erarbeiten.
Man weiss immer mehr und man versteht auch immer mehr. Und ich finde es auch gut zu wissen, dass ich gar nicht immer alles verstehen MUSS.
Es ist gut zu erleben, dass einem nicht so schnell etwas aus den Socken haut, weil man einfach schon sehr vieles erlebt hat und schlussendlich ja das alles auch ÜBERlebt hat.
Dieses Wissen birgt eine gewisse Ruhe in sich und auch eine Zuversicht. Und nach wie vor halt immer noch die Hoffnung, dass alles gut wird.
Irgendwie habe ich das Gefühl, man wird immer resistenter gegen Bullshit und Drama. Vielleicht ist das sogar das allerbeste am älter werden…
Ich habe mal gelesen, dass Frauen irgendwann in einem gewissen Alter plötzlich unsichtbar werden. Ungesehen.
Also DAS habe ich ganz sicher nicht vor. Und ihr bitte auch nicht.
Es gibt auch Dinge, die ganz, ganz unschön und schlimm sein können im Alter. Aber das war ja hier nicht die Frage.


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