Es gab wohl auch in der Primar- und Sekundarschule Lehrer:innen, die ich lieber mochte als andere und solche, die mir positiv in Erinnerung blieben. Aber Herr Willisegger, bei dem ich in der Ausbildung zur Schriftsetzerin Berufskunde besuchte, war schon ein ganz besonderer Lehrer. So ein richtiger Schriftsetzer der alten Schule. Wir haben ihn wirklich alle geliebt, obwohl er uns zwischendurch total geschlaucht hat. Ich erinnere mich mit Grauen an das Plakat welches wir mit Pinsel in Druckschrift auf beschichtetes A4-Papier „RIGI – Königin der Berge“ malen mussten. Und zwar genau nach Vorlage und es musste danach so aussehen, als wäre es am PC ausgedruckt worden. Also picobello. Meines sah furchtbar aus und vor lauter immer wieder Farbe wegkratzen (mit einem Skalpell), hatte mein Blatt sogar ein Loch bekommen…. Die Note war dementsprechend. Es gab aber auch Aufgaben, die ich besser als diese gemeistert habe. 🙂
Herr Willisegger war ein gradliniger, unkomplizierter Mann und auch sehr humorvoll. Er hatte immer eine weisse Arbeitsschürze an und hatte verwuscheltes blondes Haare. Er hat uns fachlich wahnsinnig viel beigebracht und ganz bestimmt auch menschlich. Das ist ja dann nicht immer ganz fassbar.
Es ist tatsächlich so, dass meine Handschrift auch heute, Jahrzehnte später, seiner noch ganz genau ähnelt. Und da bin ich ganz bestimmt nicht die einzige. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mal einen Text für ihn schreiben musste, weil ich die schönere Herr-Willisegger-Handschrift hatte als er.
Ich bin ja schon lange nicht mehr auf diesem Beruf, aber im Herzen bin ich immer noch ein bisschen die Schriftsetzerin von damals und ganz vieles von dem, was ich damals gelernt habe, hat sich in mir verinnerlicht. Ich betrachte die Welt in Bildausschnitten und zwar in den Proportionen des Goldenen Schnittes. Das zeigt sich in allem, was ich schreibe, male, gestalte. Und damit liegt man nie falsch.
Es ist auch nach wie vor so, dass man Herrn Willisegger einfach kennt, wenn man Schriftsetzer:in oder Typograf:in ist. Leider ist er vor einigen Jahren wohl noch recht jung verstorben.
Ein zweiter Lehrer – bzw Dozent – , den ich extrem super fand, war Herr Huber an der Fachhochschule Nordwestschweiz, bei dem ich alles über Psychologie und Psychopathologie und dadurch schlussendlich auch viel über mich und das Leben gelernt habe. Ich glaube, wir waren wirklich alle seine Fans. Er war natürlich nicht nur fachlich top, sondern dazu noch gut aussehend und charmant. 🙂


Hinterlasse einen Kommentar