
Positives Denken finde ich etwas vom zielführendsten und lösungsorientiertesten überhaupt. Egal, wie die Situation ist, etwas möglichst Gutes daraus zu machen. Irgendwas läuft immer schlecht, irgendwas läuft aber auch immer gut. Und beide strecken uns ihre Hand hin, wollen uns zu sich hin ziehen. An welcher wir uns festhalten, ist jederzeit unsere eigene Entscheidung. Ich glaube, es hat noch nie jemandem wirklich etwas gebracht, sich am Negativen festzuhalten, um sich davon mitziehen zu lassen. Das zieht einen immer tiefer hinein in die Situation, die man als schwierig empfindet. Immer tiefer hinein ins Negativ-Denken und immer weiter weg von der Lösung. Also macht es Sinn, sich am Positiven zu orientieren, sei es auch noch so klein, denn dieser Weg ist der der Hoffnung und der in Richtung Lösung.
Manchmal übermannt:fraut uns das Schwierige dermassen, dass wir für einen Moment grad gar nichts anderes mehr sehen können. Ich weiss. Diese Momente sind zum Verzweifeln und das tun wir dann ja gewissermassen auch. Dieses Gefühl, als sei man von einer Schlamm-Lawine überrollt und komplett zugedeckt worden. Man weiss gar nicht mehr, wo unten und oben ist, wo es weiter in den Schlamm geht und wo raus. In den letzten 12 Monaten hatte ich dieses Gefühl so oft. Wirklich. Das Gefühl, nicht mehr weiter zu wissen, weinend und kraftlos zusammen zu brechen. Und so war das auch. Ich habe sehr viel geweint. Und irgendwie habe ich es dann doch immer wieder geschafft, mich aus dem Schlamm raus zu kämpfen und mir wieder einen Überblick zu schaffen. Das Positive in der momentanen Situation zu finden und in diese Richtung zu gehen. Ich hatte keine Ahnung, wohin mich dieser Weg führen würde, aber ich wusste immer wieder, dass ich es richtig mache. Trotz grossen Hindernissen und Steinen, dir uns zum Teil auch ganz bewusst in den Weg gelegt wurden.
Auf diesem Weg hatte ich immer wieder Angst, mein Allerwichtigstes zu verlieren. Und unendlich viele Male habe ich mich gefragt, warum dies ausgerechnet UNSER Weg sein muss…
Und dann kam die Diagnose. Erleichterung und Schock. Beides in einem.
Mein Kind ist im Autismus Spektrum. Das wurde nach einer sehr langen Leidenszeit festgestellt. Nach einem „autistic Burnout“, einem Zusammenbruch, nachdem total falsch mit ihr umgegangen wurde. In solchen Situationen können sich komorbide (begleitende) Erkrankungen bilden. Bei meiner Tochter war das eine Depression und eine starke Angststörung, die dann dieses autistische Burnout gekennzeichnet haben.
Es ist gut eine Diagnose zu haben, denn sie hilft, zu verstehen und richtig zu handeln. Es wird klarer, was einem Menschen „fehlt“, wo seine:ihre Schwierigkeiten liegen. Es wird aber auch klarer, und das ist noch viel, viel wichtiger, was er:sie benötigt, damit es ihm:ihr besser oder noch lieber, einfach wieder richtig gut geht. Was er:sie braucht, um inklusiv am Leben teilnehmen zu können.
Man kann kleine Schritte in Richtung Lösung machen. In Richtung Verbesserung. Endlich. Jeder noch so kleine Schritt ist besser als keiner.
Es ist aber auch schwer, eine Diagnose zu haben. Es gibt Momente, in denen ich sehr traurig bin.
Die Diagnose Autismus bedeutet, dass man neurodivergent ist. Das ist angeboren und unheilbar. Es gibt kein Medikament gegen Autismus, so wie es sie bei anderen Neurodiversitäten wie zB bei ADHS gibt. Bei ADHS gibt es die Möglichkeit, ein Medikament einzunehmen, das die Reizüberflutung etwas reguliert, was dann die Gesamtsituation doch recht verbessert.
Bei Autismus geht das nicht. Es gibt Medikamente gegen die oben genannten komorbiden Erkrankungen. Immerhin. Autisten:innen schlafen zum Beispiel oft sehr schlecht und dagegen gibt es zB Medikamente. Oder auch gegen andere. Es gibt auch Therapien, die Menschen im Autismus Spektrum helfen, zB soziale Interaktionen zu üben. Sie sind dabei auch stark davon abhängig, wie ihr Umfeld mit ihnen umgeht, wie verständnisvoll man ist und wie hilfsbereit. Autistische Kinder werden zB sehr oft Opfer von Mobbing, weil andere Kinder sie komisch finden und weil autistische Kinder sich noch weniger dagegen wehren können als andere Kinder.
Es ist nicht einfach, anders zu sein. Sich selbst zu akzeptieren, wenn man anders ist und wenn man weiss, dass es andere gibt, die das nicht verstehen.
Es ist nicht einfach zu sehen, was andere erleben und man das vielleicht auch möchte, aber nicht kann.
Ich glaube, das braucht viel Stärke und auch viel Selbstbewusstsein.
Ich wünsche mir von Herzen, dass wir Menschen einander auch ohne Diagnosen mehr dort abholen könnten, wo jede:r von uns gerade steht.
Ich glaube, alle Eltern wünschen sich einen einfachen Weg für ihre Kinder, schöne Erfahrungen und ein glückliches, unbeschwertes Leben. Genau das wünsche ich meinem auch. Ein bisschen liegt sowas immer bei uns einzelnen Menschen selber, aber schon auch ganz stark an uns als Gesellschaft, als Gemeinschaft.
So schaue ich (unterdessen sehr erschöpft) auf den weiteren Weg. Das Positive streckt mir immer wieder seine Hand hin und ich halte sie fest, um den Blick auf das Wichtige nicht zu verlieren, wenn meine Augen mal voller Tränen und mein Kopf voller dunkler Gedanken ist.
Alles wird gut, es braucht einfach manchmal seine Zeit.
Manchmal ist auch alles gut, wenn noch nicht alles gut ist. Es gibt solch kleinen Momente und die sind Gold wert. Ich sehe sie und das ist gut.
Positiv denken ist mega wichtig und ich finde, wir sollen das wirklich tun. Und doch ist es auch okay, mal zu sagen, dass es schwer ist.
Ja, ich finde es gerade schwer. Das Ungewisse.


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