
Stell dir vor, wir wären Züge, jeder einzelne von uns, die überall in der ganzen Welt herum fahren. Manchmal fahren wir ganz allein, manchmal haben wir andere Wagen angehängt, um gemeinsam eine gewisse Strecke zu fahren. Oder auf Gleisen nebeneinander. Bis dann irgendwann eine Verzweigung kommt und einer von uns beiden abbiegt.
Von Zeit zu Zeit fahren wir an Menschen vorbei, die am Strassenrand darauf warten, mitfahren zu dürfen. Wir fahren volle Pulle an denen vorbei und erwarten, dass die uns nachrennen und auf uns, den fahrenden Zug, aufspringen.
So kommts mir mit uns Menschen manchmal vor. Wir haben so oft weder Lust noch Zeit, andere dort abzuholen wo sie gerade stehen. Wir denken, unser Tempo und unser Weg seien die Norm und andere müssten mithalten können.Wenn nicht, Pech gehabt. Stehen sie dort halt noch etwas länger, bis sie es irgendwann vielleicht doch schaffen aufzuspringen, bis sie aufgeben oder bis jemand abbremst und wartet, bis sie aufgestiegen sind.
Und ich glaube, manchmal mangelt es nicht nur an der Zeit oder an der Lust, sondern am Wissen und an der Fähigkeit, sich überhaupt Gedanken über andere machen zu können. In dieser Disziplin schwächeln viele, fällt mir immer mal wieder auf. Aber das macht nichts, denn in unserer Gesellschaft wird mehr Wert darauf gelegt, wie schnell jemand mit seinem Zug unterwegs ist, als darauf, ob er sozial was drauf hat.
Auf den Zügen dieser Welt hätte es Platz für alle und noch viel mehr und wir verlieren nichts, wenn wir mal anhalten oder langsamer fahren. Vielleicht ganz im Gegenteil. Wer weiss, welche Begegnungen auf uns warten würden und welch Bereicherung.
Es geht hier wieder einmal um das Thema Inklusion. Es geht darum, Rücksicht zu nehmen und hilfsbereit zu sein. Darum, nicht wie ein Panzer durch die Gegend zu donnern, sondern umsichtig zu sein und andern die Hand hinzustrecken, damit sie sie zu fassen kriegen, falls sie das möchten. Es geht darum, sorgfältiger miteinander umzugehen, so dass jede:r die Chance hat mitzufahren.


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