Wenn es brodelt in der Gerüchteküche

Ich erinnere mich sehr genau an diesen Abend im Pub damals. Meine Freundinnen und ich waren jedes Wochenende dort, wir kannten jeden, jeder kannte uns. Und dann war da dieser Abend im Frühling, 2005 glaube ich. Da habe ich eine Erfahrung gemacht, die mein Umgang mit Gerede und Gerüchten wohl ziemlich geprägt hat.
Ein paar Tage zuvor erlitt mein Bruder einen schweren Motorradunfall. Nach wie vor lag er in Bern im Krankenhaus, Intensivstation, mit schweren Hirnverletzungen. Noch immer in Lebensgefahr, noch immer im Koma – und es sollte noch für eine lange Zeit so bleiben. Meine Freundinnen hatten mich überredet, mit ihnen ins Pub zu kommen, „ein bisschen Ablenkung wird dir gut tun“ und so. Natürlich hatten sie recht und es ging auch ganz gut. Wir unterhielten uns gerade mit ein paar Typen, als einer davon sagte „habt ihr gehört, in xxx hats letztes Wochenende einen Motorradfahrer getötet“. Es war ganz offensichtlich, dass er meinen Bruder meinte und noch offensichtlicher, dass er falsch informiert war bzw. auch offensichtlich, dass also allerlei geredet wurde in der Gegend. Mir blieb die Luft weg… ich glaube, ich verschwand fluchtartig auf der Toilette, wo irgendwie alles in mir zusammenfiel und ich dazu.
Meine Freundin folgte mir nach kurzer Zeit und holte mich da wieder raus. Unterdessen ist der arme Kerl von den andern aufgeklärt worden, dass es sich um meinen Bruder handelt und dass er noch leben würde. Ich glaube, er fühlte sich ebenso mies wie ich, als ich verheult wieder zu ihnen stiess…

Mir ist das unheimlich eingefahren. Mir wurde auch bewusst, wieviel immer wieder über Leute geredet wird, deren Situationen wir nicht kennen. Und sogar über Leute, die wir nicht kennen.
Interessant ist es ja dann für die andern, wenn es jemandem nicht gut geht. Wenn etwas nicht stimmt, etwas anders ist oder komisch… Man möchte wissen, was los ist. Ich glaube, da steckt keine (oder nicht nur?) Boshaftigkeit dahinter, sondern vielleicht sogar auch Mitgefühl und eine Portion Neugier. Es bietet sich auch geradezu an, sich mit Informationen, die andere haben wollen, in den Mittelpunkt zu stellen. Man geht ja davon aus, dass die erwähnten Informationen der Realität entsprechen, Mutmassungen, Wertung und selbstgemachte logische Folgerungen included. Die Gerüchteküche kocht nicht nach Rezept, jeder gibt seinen eigenen Senf noch mit dazu. Hier wird ein bisschen gelästert, dort ein wenig getratscht und vielleicht noch ein bisschen Öl ins Feuer geworfen.

Und daraus entstehen Geschichten, die nicht mehr immer ganz wahr sind. Gerichte, die nicht mehr bekömmlich sind. Sie sättigen die Neugierde des Publikums, ja. Aber den betroffenen Personen bringen sie nichts, eher im Gegenteil. Ich glaube, man macht Menschen, die es so oder so momentan nicht leicht haben, das Leben noch schwerer damit. Warum muss man denn über sie herziehen, wenn sie eh schon in einer Krise stecken? Warum hält man sich da nicht lieber raus? Für mich macht das immer den Eindruck, als ob man jemanden treten würde, der sowieso schon auf dem Boden liegt. Und ich finde nicht, dass man das tut.
Ich jedenfalls fand das damals echt schlimm.

Ganz sanft bohrt sich ein Finger in die wunde Stelle. Bis es blutet.

Es gibt vermutlich nichts, womit ich noch schlechter umgehen kann als mit Verlusten oder mit der Angst davor. Es kommt mir vor als hätte ich da eine Wunde, so eine wie man als Kind am Knie hat, nachdem man mit dem Fahrrad gestürzt ist. Sie ist gut verkrustet und am heilen, weh tut sie normalerweise kaum noch, so dass ich sie im Alltag so gut wie vergesse.

Und dann passiert etwas… jemand aus meinem engeren Umfeld wird krank, meldet sich nicht mehr, irgendwas… Ganz sanft drückt dann ein Finger auf diese wunde Stelle. Es tut weh, ich erinnere mich und Angst kommt hoch. Der Finger erhöht den Druck, bohrt sich langsam immer tiefer hinein. Bis es blutet und ich nicht mehr so richtig klar denken kann.
Das kann ganz schnell passieren und auch in ganz unbedeutenden Momenten, in denen kein anderer Angst hätte.

Ich hatte in meinem Leben eine Phase, da drehte mein Gehirn in solchen Momenten komplett durch. Lange her alles. Es war nachdem mein Bruder verunfallt und meine Mutter gestorben war. Damals war das alles zuviel für mich, zu nah aufeinander irgendwie. Ich glaube, sowas ist vielleicht ein Trauma. Richtig gestört.
Ich hatte sowas wie eine Sirenen-Phobie. Ich wohne auf dem Land, da hört man nicht jeden Tag ein Ambulanz-Fahrzeug durchfahren, es ist eher selten. Jedesmal, wenn dies der Fall war, musste ich zuhause anrufen, ob alles okay ist. Jedes verdammte Mal. Ich wollte nicht. Und ich wusste eigentlich, dass alles okay ist. Aber es war wie ein Zwang. Nein, es war nicht wie ein Zwang. Es war wohl wirklich ein Zwang. Ich musste anrufen, sonst fand ich keine Ruhe, die Gedanken begannen zu kreisen und ich steigerte mich total in etwas hinein. Erst, wenn ich meinen Vater am Telefon hatte und wusste, dass zuhause alles in Ordnung war, ging es wieder.
Ich erinnere mich nicht, wie lange das dauerte. Ich habe damals eine Therapie gemacht, um die Geschehnisse zu verarbeiten bzw. damit umgehen zu lernen und irgendwann hat das dann aufgehört.
Ich glaube, in dieser Phase drückte dieser Finger der Angst nicht nur sanft auf diese Wunde, sondern rammte die ganze Hand mit voller Wucht hinein.

Unterdessen ist das anders. Natürlich. Diese Wunde ist längst nicht mehr so empfindlich wie damals, viele Jahre sind vergangen. Zeit heilt vielleicht und vielleicht gewöhnen wir uns einfach an die neue Situation. Vermutlich ein wenig von beidem.
Aber ich merke schon, dass diese Wunde noch da ist, meistens nicht spürbar. Ich reagiere innerlich aber sehr stark, wenn es wie gesagt um Verluste geht. Oder eben um die Angst, es könnte zu einem Verlust kommen. Oder auch nur eine annähernd verwandte Situation. Damals waren die Situationen „Motorradunfall“ und „Krebs“. Ich kann zum Beispiel sehr schlecht aushalten, wenn es meinem Mann oder unserem Kind nicht gut geht, z.B. wegen Grippe. Ich mache mir schnell zu grosse Sorgen, es macht mich unruhig und ich möchte, dass die Beschwerden weggehen.
Ich nehme nur wenn unbedingt nötig an Beerdigungen teil, weil ich es nicht aushalten kann. Manchmal gehe ich auch nicht hin, wenn ich eigentlich hin müsste, um ehrlich zu sein. Dasselbe mit Besuchen im Krankenhaus…  Selbstschutz.
Wenn ich überreagiere, bin ich mir nun dessen bewusst und kann mich gut selbst beruhigen, um dann normal auf die gegebenen Umstände zu reagieren. Aber im ersten Moment bäumt sich die Angst in mir auf wie ein Monster.

In meinem näheren Umfeld sind in den letzten Monaten mehrere Personen an Krebs erkrankt (und unterdessen gesund). Auch bei solchen Nachrichten reagiere ich innerlich sehr heftig. Äusserlich zeigt sich das dann in Tränen, vermutlich ist das nicht ungewöhnlich, weil das eine schlimme Nachricht ist und Tränen sind ein Zeichen von Mitgefühl, Betroffenheit und auch Traurigkeit darüber, dass diese Person, die ich mag, so etwas erleben muss. Aber innerlich muss ich in diesem Moment dann gegen dieses aufbrodelnde Scheiss-Krebs-Monster ankämpfen, das mir so grosse Angst macht. Immer erfolgreich. Es ist gross und stark, aber ich bin stärker. So.

Geliebte Menschen zu verlieren ist bestimmt etwas vom Schlimmsten im Leben. Niemand will das und doch gehört es dazu und wir kommen nicht drum herum, damit umzugehen wenn es soweit ist.
Wir verlieren Menschen durch den Tod. Aber längstens nicht nur. Freundschaften und Beziehungen gehen auseinander, Menschen ziehen weg, wechseln den Job… Dinge geschehen. Manche sind schlimm, manche nicht.

Ich frage mich manchmal, ob ich das mit dem Abschiednehmen so schlecht kann, weil ich früh in meinem Leben diese für mich schwierigen Erfahrungen machen musste oder ob es auch ohne diese so wäre… Man weiss es nicht.

Aufgeben ist durchaus eine Option!

Ich finde ja fast immer, dass alles zwei Seiten hat. Fast gar nichts ist nur positiv, fast gar nichts ist nicht nur negativ. Natürlich gibt es Ausnahmen, die gibt es immer.

Es gibt so viele Begriffe, die irgendwie einfach negativ gewertet werden. Ich habe schon öfter mal über solche geschrieben bzw darüber nachgedacht und beschrieben, warum ich anderer Meinung bin. So geht es mir auch mit dem Begriff „Aufgeben“. Wie oft liest oder hört man, dass Aufgeben keine Option ist? Alles, nur nicht aufgeben. Aufgeben wird oftmals mit versagen, verlieren verbunden und das zu Unrecht, wie ich finde.

Ich bin immer dafür, nicht so schnell aufzugeben. Wenn ich mich für etwas entschieden habe, wird durchgebissen, gekämpft, Probleme gelöst und alles versucht. Und manchmal bringt das aber nichts, dann ist einfach der eingeschlagene Weg nicht der richtige. Dann bedeutet aufgeben für mich, eine andere Richtung einzuschlagen, etwas anderes zu versuchen. Auch ein wenig, sich von etwas zu befreien.
Aufgeben bezieht sich nicht auf das ganze Leben, so wie es oft interpretiert wird. Aufgeben bedeutet keine Katastrophe. Aufgeben ist nicht gleich gesetzt mit Suizid oder in eine totale Lebenskrise fallen. Es bedeutet einfach, dass man diese eine Situation aufgibt. Und damit vielleicht sogar wieder aus einer Lebenskrise raus kraxeln kann.

Meistens ist aufgeben ja nicht einfach.
Meistens geht viel Schmerz voraus, der Leidensdruck muss gross genug sein, sonst gebe ich nicht auf, so ist das. Auch während des Aufgebens, während der Entscheidung plagen einem Was-Wäre-Wenn-Gedanken, Gedanken ob der Richtigkeit dieser Entscheidung. Sie machen es einem nicht einfach. Und doch wird es einfacher, wenn dann die Entscheidung gefallen ist, etwas hinter sich gelassen wurde und man sich auf dem neuen Wegstück befindet.

Deswegen bin ich für mehr Mut zum Aufgeben, wenn es notwendig ist.
Für mehr Mut für Veränderungen.
Für mehr Mut, zu sich selbst zu stehen.
Und ich bin dafür, dass Aufgeben nicht mehr mit Versagen in Verbindung gebracht wird.

Entspannung pur mit Meerschweinchen

Wir haben vor fünf Wochen Familienzuwachs bekommen: Zwei suuuuuper-süsse Meerschweinchen-Damen.
Es gäbe sooooo viel darüber zu schreiben, wirklich. Es ist eine spannende Sache, Haustiere bei sich aufzunehmen, auch wenn es „nur“ kleine Meerschweinchen sind. Anfangs sehr schreckhaft und schüchtern, werden sie nun zutraulicher und mutiger und das eine sogar manchmal richtig frech. Sie erkennen uns auch, ich glaube an unserer Stimme. Ich habe mich gerade heute dabei ertappt, wie ich die Wohnung als letzte verlassen habe und „tschüss, bis später“ gerufen habe. Und auch wenn ich nach Hause komme, rufe ich ihnen „Hallo Meerschweinchen“. Ja, ja…. so ist das.  🙂

Schnell haben sie natürlich gemerkt, dass wir Futter bringen, was natürlich für sie das wichtigste Grundbedürfnis ist. Mehr sind wir wohl für sie ja nicht. Einfach die, die sie füttern und das macht uns wichtig.

Die Frechere der beiden kommuniziert tatsächlich mit uns. Sie pfeift laut, wenn wir in der Nähe des Käfigs sind und kommt ans Gitter, wenn wir mit ihr sprechen oder ein Stück Gurke hinein strecken. Manchmal piepst sie ganz aufgeregt und wird erst wieder ruhiger, wenn wir mit ihr sprechen.
Sie kommuniziert auch mit ihrer Mitbewohnerin, die aber eher noch still und immer noch scheu ist. So rennt (sie trabt, es ist unglaublich lustig mitanzusehen!) sie zum Beispiel oft in den zweiten Stock des Käfigs und wieder runter, als wolle sie ihre Mitbewohnerin, die sich noch nicht getraut, animieren mitzukommen. Sie piepst dabei laut und in einem ganz anderen Ton, als wenn sie mit uns spricht. Als ob sie sie rufen würde. Ich gehe davon aus, sie tut das tatsächlich.

Es gäbe noch viel zu erzählen und vielleicht mache ich das irgendwann. Aber heute nicht. Heute möchte ich darüber schreiben, welche Wirkung diese kleinen Tierchen auf mich als Mensch haben, weil ich das so gar nicht erwartet hatte. Die Haustiere sind vor allem für’s Kind, weil sie Tiere mag, um ihr Verantwortung zu übergeben, weil sie im Umgang mit Tieren viel lernen kann usw. Es gibt ja viele Gründe.

Und nun steht dieser riesige Käfig bei uns und die Meerschweinchen wuseln darin herum, lernen uns kennen und wir sie, werden zutraulicher und gehörten schon sehr schnell zur Familie.

Seit wir sie haben, fühle ich mich wirklich ausgeglichener, ohne Scherz. Ich liege total oft auf dem Boden vor dem Käfig und schaue ihnen zu oder spreche mit ihnen. Wenn möglich dürfen sie jeden Tag für eine Weile aus dem Käfig kommen und im Wohnzimmer herumwuseln. Oder wir setzen sie auf unseren Schoss und streicheln sie, bis wir merken, dass sie nicht mehr wollen.
Dieses schöne Gefühl, auf dem Sofa zu liegen, ein Meerschweinchen auf der Brust und es zu streicheln und mit ihm zu sprechen, während es sein Näschen in die Höhe streckt und schnuppert und ganz leise schnurrt, fast wie eine Katze. Ich gehe davon aus, dass es diese Geräusche von sich gibt, weil es ihr gefällt (und nicht weil es Todesangst hat… man weiss es ja nicht so genau, schliesslich sind Meerschweinchen ja Fluchttiere und keine Kuscheltiere).
Das ist sooooooo beruhigend und schön!!!!

Ich muss sagen, schon nach dieser kurzen Zeit bin ich total in diese beiden Meerschweinchen verliebt und würde sie nie wieder hergeben.
Das war eine richtig gute Entscheidung!

Gedanken wie Schmetterlinge. Oder sind es Felsbrocken?

Nachdenklich sein wird manchmal mit niedergeschlagen, traurig sein gleich gesetzt und ich finde, das ist es nicht. Jedenfalls nicht nur. Natürlich neigt man vielleicht weniger zum Nachdenken, wenn man gerade glücklich ist und alles toll läuft. Aber trotzdem ist es Nachdenken doch wirklich etwas Gutes, oder?
Denn was wäre die Welt, wenn jeder tun und lassen würde, worauf er gerade Lust hat, ohne nachzudenken? Ohne sich zu überlegen, was die Konsequenzen dieses Handelns wären? Ohne zu überlegen, ob es noch andere Möglichkeiten gäbe?

Natürlich gibt es wie immer zwei Extreme. Nicht nachdenken und zuviel nachdenken, Dinge dadurch kaputt machen, sich zuviele Sorgen machen. Zerdenken. Wenn, dann neige ich eher zum zweiten als zum ersten, lern(te) aber ziemlich gut damit umzugehen. Ich befinde mich nun meistens auf dem Mittelweg.

Gedanken müssen nicht zermürbend und belastend sein, sie sind es aber oft. Weil sie dazu neigen, ungewollt aufzutauchen, genau dann wenn wir sie nicht wollen. Wenn wir uns nachts zum Schlafen ins Bett legen, die Augen schliessen und das Gehirn statt runter zu fahren zu denken beginnt. Alle möglichen Situationen, Konsequenzen und Ideen hoch bringt, meist in dunkeln Farben gemalt. Und uns damit den Schlaf raubt.

Seitdem ich hier hin und wieder etwas schreibe, denke ich bestimmt nicht mehr oder öfter nach als zuvor. Vielleicht manchmal ein wenig bewusster, weil ich mir überlege, ob oder dass ich darüber schreiben könnte.

Dass Gedanken mich nachts plagen, mich nicht schlafen lassen, kommt zum Glück nicht oft vor. Und wenn, dann schreibe ich nicht hier darüber oder erst irgendwann später, denn ich finde es wohl im Moment zu persönlich.
Ich mache mir aber Gedanken. Über dies und das. Ihr tut das ja auch. Wir hören, lesen oder sehen etwas, wir erleben oder tun etwas und wir überlegen uns etwas dabei, bilden uns eine Meinung, ohne es überhaupt zu bemerken. Nicht jeder Gedanke oder jedes Erlebnis ist gleich wichtig. Einige sind leicht und luftig wie Schmetterlinge und fliegen ein paar Gedanken später wieder davon. Andere bekommen wir fast nicht mehr aus unserem Kopf. Schwer wie grosse Steine liegen sie da, drücken überall, beunruhigen und beängstigen uns, nehmen ganz schön viel Platz ein und verdrängen die positiven Gedanken.

Ich wünsche mir und auch euch mehr unbeschwerte Gedanken und mehr Menschen, die nachdenken (zum Beispiel auch Präsidenten…), bevor sie etwas tun. Muss ja nicht immer sein, aber wenn es um etwas wichtiges geht. 

Hinter welcher Tür steckst du?

Es gibt viele Türen. Überall.
Manche sehen wir, manche sind für uns unsichtbar, weil sie uns nicht interessieren oder weil sie nicht für uns bestimmt sind. Einige sind offen, andere angelehnt und einige sind abgeschlossen. Es gibt Türen, die sind aus massiven Holz, andere nur aus dünnen, biegsamen Spanplatten. Es gibt Türen, die sind aus Glas, man sieht rein und auch raus. Es gibt grosse und kleine, einfache und prunkvolle, weisse, graue, schwarze, bunte.

Und hinter jeder dieser Türen steht ein Mensch. Ein Mensch, der sich seine Tür selbst gebaut hat. Massgeschneidert auf seine Bedürfnisse. Sie kann Schutz sein, Geborgenheit vermitteln, wenn das notwendig ist. Sie kann aber auch einladend offen stehen und jeden willkommen heissen.

Eine Tür, die für mich offen steht, ist möglicherweise für dich geschlossen, sogar abgeschlossen, verriegelt und verbarrikadiert. Der Mensch dahinter wird seine Gründe haben, warum es ist, wie es ist.

Wenn wir durch’s Leben spazieren, springen, stolpern und Menschen und ihren Türen begegnen, sehen wir es der Türe nicht auf den ersten Blick an, wer dahinter steckt. Oder ob die Tür sich für uns öffnen wird.
Wenn wir interessiert sind, müssen wir dies heraus finden, in dem wir anklopfen. So verschieden die Menschen hinter den Türen sind, so verschieden sind auch die Besucher (die schlussendlich ja auch Menschen hinter wieder anderen Türen sind). Die einen klopfen zaghaft an und warten auf eine Antwort, andere klopfen laut und  bestimmt an die Tür. Und es gibt die, die würden so gerne anklopfen, getrauen sich aber nicht. Und auch solche, die stürzen gleich mit der Tür ins Haus ohne anzuklopfen.

Ich glaube, der Gast steuert so indirekt, wie die Tür des anderen Menschen beschaffen sein wird in Zukunft. Ist der Besuch angenehm und schön, wird die Tür vielleicht das nächste Mal mit Freude geöffnet und vielleicht irgendwann mal nur noch angelehnt sein.
Ist der Besuch aber stressig, verletzend oder nervig, wird die Türe nicht oder nur widerwillig geöffnet, bis wir irgendwann dort nicht mehr willkommen sind.

Je mehr unangenehme Besuche ein Mensch erlebt hat, desto schwieriger wird es wohl auch für andere, unbeteiligte Menschen, bei ihm willkommen zu sein. Das ist für beide schade, denn schöne Begegnungen werden vielleicht verhindert. Aber verständlich ist das auch.

Ich für meinen Teil finde es schön, wenn wir einigermassen sorgfältig oder zumindest einfühlsam miteinander umgehen. Nicht übertrieben, aber vielleicht so, wie wir es uns von andern wünschen. Und zwar beim Anklopfen sowie beim Tür öffnen.

Schlussendlich wissen zuerst beide nicht, was sie erwartet. Wer steckt hinter dieser Tür? Was geschieht, wenn ich anklopfe? Es könnte die Tür zum Glück sein, aber auch die Tür zur Hölle. Natürlich gibt es dazwischen noch ganz viel anderes.
Und diejenige, die das Klopfen hört weiss nicht, wer eintreten möchte. Um dies zu erfahren, muss sie öffnen und nachschauen.

Und ich denke, es lohnt sich meistens, zu öffnen und einen Blick zu riskieren.