Ein Virus, der Glückshormone ausschüttet….

Ein Virus bringt fast die ganze Welt total durcheinander.
Jedenfalls unsere.
Dem einen bringt es sehr viel Zeit, dem andern sehr viel Stress.
Dem einen bringt es Krankheit, vielleicht sogar Tod, der andere merkt nicht mal etwas davon. Dem einen bringt es Existenzängste oder gar den finanziellen Ruin, der andere verdient sich an der ganzen Sache eine goldene Nase.
Ich glaube, viele fühlen sich momentan irgendwie mehr oder weniger einsam, jeder auf seine Art und Weise. Die Distanz zueinander, die fehlenden persönlichen Kontakte… das fehlt uns. Auch in diesem Bereich haben bestimmt viele ein Manko und andere genau das Gegenteil. Menschen, die sehr intensiv in der Pflege oder Betreuung oder vielleicht auch in den Läden arbeiten, waren in den letzten Wochen dem Kontakt mit anderen Menschen sehr intensiv „ausgesetzt“. Das kann zuviel werden und wirkt sich manchmal auch in der Freizeit mit Unlust auf Kontakte aus, obwohl die Qualität dieser Kontakte ganz anders ist, wenn man die professionelle von der freundschaftlichen Beziehung unterscheidet.

Ich weiss auch heute noch immer nicht, ob ich DAS Virus schreiben muss oder ob es DER Virus heisst. Falls ich es falsch mache, ist es nicht schlimm, denn ihr seid ja nachsichtig und nicht streng. Rechtschreibung und Grammatik sind mir sehr, sehr wichtig. Aber in diesem Fall habe ich keine Lust, zu recherchieren, wie es tatsächlich heisst und das zeigt genau auf, wie sehr mir der ganze Mist mit diesem Virus unterdessena auf den Sack geht.

Kommen wir aber zurück auf diesen Virus, der alles durcheinander bringt… Es ist, weil er uns unter Umständen sehr krank machen oder uns sogar umbringen kann.

So ein Virus ist ein destruktives Arschloch, ich kann es nicht anders sagen. Oder habt ihr schon mal von einem Virus gehört, der etwas Schönes bewirkt?
Wir wäre es mit einem Virus, der uns glänzendes, volles Haar beschert?
Oder Virus, der in unserem Hirn Glückshormone freisetzt?
Ein Virus, der Krebszellen abtötet?
Ein sehr, sehr ansteckender Virus, der rechtsradikales Gedankengut angreift und vernichtet?
Ein Virus, der uns motiviert, freundlich und hilfsbereit zueinander zu sein?
Oder vielleicht einer, der aus gestressten Menschen ruhigere, entspanntere macht?
Wunderbar wäre aber auch ein Virus, der unser Blick auf die Menschen und Dinge in unserer Umwelt versöhnlich und positiv stimmt.
Ein Virus, der es uns ermöglicht, nachts tief, fest und ruhig zu schlafen.
Und vielleicht ein Virus, der es uns ermöglicht, vorurteils- und angstfrei auf andere Menschen zuzugehen.
Einer, der es uns ermöglicht, alles so zu nehmen wie es kommt.
Ein Virus, der uns unsere Ängste nimmt und sich nachts in unseren Schlaf schleicht und unsere Träume beschützt.
Schön wäre ein Virus, der uns ein Blick auf das Wesentliche ermöglicht.
Ein Virus, der uns statt mit Hass, Neid und Missgunst, mit Freude und Liebe erfüllt.
Einer, der uns unseren Rucksack tragen lässt, ohne dass jemand darunter zusammenbrechen muss, denn alles was wir hinter uns gelassen haben, ist da nicht mehr drin.

Solche Viren wünsche ich mir und ich glaube, es gibt sie schon. Wir Menschen tragen sie in uns und es liegt in unserer Macht, sie grosszügig unter den Menschen zu verteilen. Das geht auch ganz gut, obwohl wir momentan Abstand halten müssen. Und ich freue mich darauf, wenn wir das irgendwann dann nicht mehr müssen, denn eine Umarmung und körperliche Nähe ist doch schon auch etwas Überlebensnotwendiges und stärkt uns unbestritten.

Nun heisst es weiterhin DURCHHALTEN und fleissig unsere positiven Viren mit Liebe auf andere zu übertragen.

Unsere liebsten Märchen in den Zeiten von Covid-19

Wie ist es eigentlich in den Zeiten von Corona mit den bekannstesten Märchen? Rapunzel ist ja auch 2020 noch total korrekt. Eine junge Frau in Quarantäne. Wenn nur die ältere Frau, die sie regelmässig besucht, nicht der Risikogruppe angehören würde…

Auch der Froschkönig ist nach wie vor okay, alle halten die vorgeschriebene Distanz. Wie praktisch, dass die Tische in Märchenschlössern immer so wahnsinnig lang sind. Und Frösche sind ja nicht von Covid-19 betroffen, soviel wir wissen.

Hänsel und Gretel ist total Corona-tauglich. Kinder dürfen schliesslich miteinander spielen und im Wald spazieren sowieso. Damit Hänsel der Hexe nicht zu nah kommt, streckt er ihr zum Gruss statt seine Hand einen Hähnchenknochen hin. Vorbildlich! Bravo!

1000 Jahre schlafen wie Dornröschen, so wäre die Isolation bestimmt auch gut auszuhalten. Viele, viele Prinzen haben versucht, sich anzunähern und das war wirklich nicht klug. Alle gestorben. Erst als die gefühlt tausend Jahre um waren, war die junge Prinzessin nicht mehr ansteckend und der doch recht distanzlose fremde Prinz, der sie küssend aufweckte, wurde vom Fleck weg geheiratet. Vermutlich hatte sie noch Fieber.

Und dann haben wir das arme Aschenputtel, dessen Mutter gestorben ist. Vermutlich an Corona, sie wurde aber nicht getestet. Der grosse Ball des hübschen Prinzen musste leider verschoben werden, das neue Datum ist noch unbekannt.

Die herzensgute Frau Holle wohnt allein in ihrem Häuschen. Hin und wieder nimmt sie ein Mädchen bei sich auf, das ihr helfen soll, die Decken kräftig auszuschütteln. Es ist eine Saison-Stelle. Im vergangenen Winter hatte sie diesen Job mehrfach ausgeschrieben, aber keine passende junge Frau gefunden. Momentan beschäftigt sie ein Mädchen, dass für sie einkaufen geht, die Brote aus dem Ofen nimmt, wenn sie rufen und die Äpfelchen pflückt. Ausserdem hat sie ein Backbuch „Backen ohne Trockenhefe“ geschrieben.

Also die sieben Zwerge sind wirklich ein Problem. Solch grosse Wohngemeinschaften sind momentan too much Risiko. Sie wohnen nun in einer kleinen Siedlung, jeder in einem kleinen Häuschen für sich allein. Sneezy (Hatschi) ist seit Mitte März in Isolation, man muss nicht fragen, warum. Im Schloss ist die Stimmung angespannt. Niemand darf das Haus verlassen. Der Jäger darf auch nicht arbeiten. Die Königin sieht momentan keine Möglichkeit, das verhasste Schneewittchen loszuwerden.

Ganz, ganz schwierig ist die Situation bei den Sieben Geisslein. Die alleinerziehende Mama Geiss macht jeden Morgen homeschooling mit ihren sage und schreibe sieben Kindern. Zum Einkaufen kommt sie nicht, der Wolf lauert seit Wochen vergebens hinter dem Baum neben dem kleinen Haus.

Die Bremer Stadtmusikanten müssen Kurzarbeit anmelden, da ihre Konzerte von niemandem besucht werden. Nachdem die Räuberbande im Waldhaus sooo laut Party gemacht hat (16 Personen!!! Doof???), bis die Polizei auf sie aufmerksam wurde und sie alle inhaftiert hat, wohnen die vier Tiere ungestört im Räuberhaus. Immer abends um 19 Uhr musizieren sie auf ihrer Terrasse für das Gesundheits- und Pflegepersonal.

Das Rotkäppchen darf die Grossmutter nicht besuchen. Sie telefonieren täglich. Facetime. Der Wolf hat versucht, mit dem Enkeltrick bei der Grossmutter rein zu kommen, sie hat die Tür aber nicht geöffnet.

Leider kann zur Zeit das Märchen Tischlein deck dich nicht statt finden, da es nicht klug ist, in der Welt herum zu reisen. Ausserdem sind alle Gasthäuser geschlossen. Die zwei jüngeren Söhne des Schneiders bleiben zuhause. Der älteste steckt noch in Südamerika fest und wartet darauf, einen Flug nach Hause zu bekommen.

Weil es zu trocken ist und deswegen das Feuer machen im Wald verboten ist, kann das Rumpelstilzchen nicht drum herum tanzen und singen „ach wie schön, dass niemand weiss, dass ich Rumpelstilzchen heiss“ und so fand die Königin seinen Namen nicht heraus und musste ihm ihr Kindchen geben.

Gullivers Reisen finden nicht statt.

Im Märchen Die zertanzten Schuhe schleichen sich zwölf Prinzessinnen jede Nacht aus dem Schloss, um tanzen zu gehen. Ein Nachbar hat sie beobachtet und die Polizei informiert. Jede einzelne musste 100 Franken Busse zahlen und der betreffende Clubbetreiber bekam zwei Jahre Gefängnis dafür. Das mit den zertanzen Schuhen wäre sowieso zum Problem geworden, da alle Schuhgeschäfte geschlossen sind.

Der König Drosselbart hat sein schiefes Kinn hinter seinem selbstgenähten Mundschutz versteckt, die Prinzessin hat ihn nicht ausgelacht und auch nicht geheiratet. Sie lebt unterdessen mit der Prinzessin eines benachbarten Königreiches zusammen. Die Heirat ist auf die Zeit nach Corona geplant. Es soll ein schillerndes Fest werden.

Die Bilder habe ich aus diesem wunderschön illustrierten Märchenbuch:

Was bedeutet Corona für (alleinerziehende) Eltern?

Die Corona-Situation betrifft uns alle. Jeden unterschiedlich. Es liegt mir fern, zu werten. Ich sehe das alles aus meiner Perspektive und darüber möchte ich berichten. Aus der Sicht der Eltern, in meinem Fall aus der Sicht einer alleinerziehenden Mutter. Das bedeutet nicht, dass ich andere Situationen nicht sehe oder weniger wichtig fände. Es bedeutet einfach, dass ich aus meiner Sicht und von meinen Erfahrungen schreibe.

Zwischendurch möchte ich euch heute statt meinen üblichen Fotos Aussagen von Eltern, die ich unter dem Hashtag coronaeltern (#coronaeltern) gefunden habe, zeigen.

Unter dem Hashtag findet man viele Stimmen betroffener Eltern oder Elternteile. Aber auch Stimmen, die das alles verständnislos als Gejammer abtun:

Ich will dazu jetzt nichts sagen…

Ich erzähle mal, wie es mir dabei geht und was ich wie erlebe.
Ich bin die Mutter eines 9jährigen Mädchens, bin seit fast zwei Jahren getrennt lebend und arbeite 60% als Sozialpädagogin in der Betreuung.
Ich fand es schon manchmal eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bringen, als ich noch verheiratet war.
Ich denke, alleinerziehend zu werden, bedeutet für die betreffende Person sehr oft einen persönlichen Notstand. Es ist wohl in den meisten Fällen etwas passiert, das einem in diesem Moment den Boden unter den Füssen wegzieht. Eine Trennung (mit all den Ereignissen, die da oftmals schon vorhergegangen sind und viel Kraft kosteten) oder in einigen Fällen ein Todesfall oder eine Erkrankung. Schlimme Dinge also.

Plötzlich alleinerziehend
Und genau ab diesem Zeitpunkt ist man alleinerziehend und trägt bis zu 200% Verantwortung, obwohl man im Notstand ist und keinen Boden unter den Füssen hat. Ich zum Beispiel habe in der Zeit der Trennung nur 40% gearbeitet, weil ich plötzlich ohne Mann da stand und organisieren musste, wie es weiter gehen soll. Wo werden wir wohnen? Wieviel Unterhalt wird der Ex-Mann mir bezahlen bzw. wieviel Geld werde ich ausgeben dürften für die Wohnungsmiete usw.
Mir ging es nicht gut. Dazu hatte ich ein Kind mit grossen Verlust- und Trennungsängsten, das verweigerte, in die Schule zu gehen. Weil sie dachte, ihr Vater hätte sich von uns beiden statt nur von mir getrennt und weil sie Angst hatte, auch mich noch zu verlieren. Mit all dem musste ich also in dieser allergrössten Krise umgehen und das tat ich auch. Weinend, gestresst, verzweifelt und doch irgendwie überlegt und stark.
Ich habe verschiedene Texte darüber geschrieben, lest doch dort nach, wenn es euch interessiert.
Das war eine wahnsinnig stressige Zeit. Trennung, das Kind täglich in die Schule begleiten unter Tränen, mit Widerstand, mit grossem Widerstand, mit schreien und treten, gleichzeitig Zukunftsperspektiven schaffen, irgendwie einfach so ins Leere hinaus. Gleichzeitig war ich so dumm zu denken, die Schule des Kindes würde mich dabei unterstützen, das Kind zu stützen und ihr diese Ängste wieder zu nehmen. Mit dem Ziel, dass sie wieder unbelasteter zur Schule gehen kann. Dieser Schuss ging total nach hinten los und ich verstehe es auch zwei Jahre danach immer noch nicht.
Ich habe in dieser Zeit zusammen mit meinem Noch-Mann eine Beratungsstelle aufgesucht und auch dort wurden wir sehr unprofessionell behandelt.
Ich war und bin schockiert, wie Menschen in Not behandelt werden und das jetzt nur am Rande, aber es ist mir ein Anliegen, mich dafür einzusetzen, dass andere dies nicht so erleben müssen und das werde ich auch tun. Zukunftsvision.

Was ich mit all dem sagen will ist, dass man während und nach einer Trennung sehr viel zu leisten hat. Neben den alltäglichen Dingen, die man ja auch immer tut. Arbeiten, Haushalt, die Familie managen, erziehen usw.
Als das Kind und ich dann nach einem halben Jahr endlich ausziehen konnten – und dieser Umzug hat mir die allerletzte Kraft genommen, emotional und körperlich. Ich hätte ihn ohne meine Freunde, die an diesem Tag einfach übernommen haben, gar nicht mehr geschafft. Als sie alle am Umzugstag am Morgen kamen um zu helfen, bin ich innerlich weinend zusammen gebrochen und sie haben das alles für mich gemacht. Ich bin all meinen Helfern so unendlich dankbar dafür.

Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann wieder mein normales Pensum gearbeitet, wieder funktioniert. Von aussen gesehen, war ja alles überstanden und es ging mir wieder gut. Und zum Teil stimmte das auch. Ich war wahnsinnig erleichtert, mit dem Kind nun in dieser wunderbaren Wohnung zu sein. Ich war extrem dankbar und sehr, sehr froh, das letzte halbe Jahr überstanden zu haben. Es war das schlimmste meines Lebens und ich habe doch auch vorher schon schwierige Dinge erlebt. Auch das Kind hat sich ein wenig erholt und ging wieder ohne Begleitung in die Schule. Das war eigentlich fast meine grösste Erleichterung.
Aber ich war alles andere als okay. Ich war mir bewusst, dass ich funktionieren musste. Innerlich war ich total verwundet, total kaputt vor Erschöpfung und einfach fix und fertig. Ich wollte und konnte mich dem nicht hingeben. Ich wusste, dass alles Zeit braucht und dass ich mich erholen werde, irgendwann.

Am Limit
Wie ich schon oft geschrieben habe, hat sich bei uns alles gut eingependelt. Es läuft gut. Ich muss aber ehrlich sagen, viel Energie habe ich nicht übrig und Zeit auch nicht. Es reicht in etwa genau aus. Für soziale Kontakte habe ich wenig Zeit. Ich glaube, das ist relativ normal. Eng wirds dann, wenn sich etwas recht spontan verändert. Wenn das Kind z.B. krank wird oder aus irgendwelchen Gründen andere Schulzeiten hat. Wenn ihr Vater sie an einem vereinbarten Tag nicht nehmen kann usw. Dann komme ich ins Schleudern. Dann wirds eng unter diesem Hut, unter den ich alles packe. Denn dann müsste ich an zwei Orten zur gleichen Zeit sein. Bei der Arbeit und hier beim Kind. Ich habe kein familiäres Umfeld, das entlasten könnte. Wenn schulische Termine, z.B. Elternabende während meiner Arbeitszeiten stattfinde, kann ich ohne Probleme frei nehmen. Ich erlebe meinen Arbeitgeber verständnisvoll. Wenn ich Termine bei der Arbeit habe während meiner Freizeit, dann frage ich eine Freundin, ob das Kind währenddessen zu ihr kann. Das klappt gut. Ich will aber nicht, dass das zuviel wird. Deswegen frage ich sowas nie, um mal wegzugehen oder etwas zu unternehmen. Das hat zur Folge, dass ich sozusagen nie weggehe. Mir fehlt es noch nicht mal, ich bin sowieso zu müde.
Wie die Frau es oben im Bild treffend beschreibt, so geht es mir auch. Ich bin eigentlich immer ganz gut ausgelastet, auch ohne Corona. Und das ist keinesfalls, weil ich schwach bin oder unfähig, sondern es ist einfach viel. Es ist halt all das, was in unserer Gesellschaft immer noch als normal angesehen wird, wenn es zwei Menschen tragen. Vater und Mutter. Wenn dies nicht der Fall ist, muss man weiterhin so funktionieren, als wäre man zwei Personen.

Nun ist dieser Corona aber hier und wirft so manches über den Haufen. Zum einen ist das Kind immer zuhause, zum andern muss es auch noch „unterrichtet“ werden, wenn man es so nennen kann. Wahrscheinlich ist es nicht korrekt. Jedenfalls muss ich es wirklich bei ihren Aufgaben für die Schule begleiten, unterstützen, erklären, motivieren, Launen aushalten usw. Ich nehme jetzt mal an, es ist für einen 3.-Klässler normal, dass er bzw. sie noch nicht mehr oder weniger selbständig zwei bis drei Stunden pro Tag für die Schule arbeiten können. Ich mache das gerne mit ihr, so ist das nicht.
Das ist dann also der Morgen. Jeden Morgen, Montag bis Freitag. Nachmittags bringe ich sie 3x pro Woche zu ihrem Vater, damit ich arbeiten gehen kann.
Die Arbeit… Ich bin dort angestellt, beziehe Lohn und den muss ich mir natürlich verdienen. Ich hatte schon als noch-nicht-Alleinerziehende immer mal wieder Angst, nicht flexibel genug zu sein. Ich bin auch tatsächlich viel weniger flexibel als ein z.B. lediger Kollege oder eine Kollegin mit bereits erwachsenen oder keinen Kindern.
Ich bin gezwungen, momentan andere Tage und andere Zeiten als gewohnt zu arbeiten, was bei mir einen Rattenschwanz an Organisation hervor ruft. Und ganz viel Stress. Ich will zu allem JA sagen, aber ich kann nicht, weil ich das Kind zu 100% zuhause habe. Änderungen betr. Abmachungen mit ihrem Papa muss ich jedesmal mit ihm absprechen und auf Goodwill hoffen. Das hat gut geklappt, zum Glück. Ich sage euch aber, das ist nicht selbstverständlich. Da kann man so unter Druck kommen! Und das kann grosse Existenzängste auslösen. Ich musste drei- oder viermal alles umplanen, weil es immer wieder Veränderungen im Arbeitsplan gab. Jedesmal Stress. Jedesmal Angst, es könnte ihm nicht gehen. Jedes verdammte Mal. Habt ihr eine Ahnung, wieviel Energie sowas verbraucht?
Bei der Arbeit wars soweit ruhig bis jetzt. Angenehm. Schöne Dienste.
Abends komme ich dann so um 21 Uhr nach Hause, das Kind ist meistens noch wach und braucht noch Zuwendung. Dann noch aufräumen, manchmal Wäsche aufhängen, manchmal die Abwaschmaschine noch fertig einräumen, bei den Meerschweinchen nach dem rechten schauen. An den meisten Abenden habe ich nicht mehr die Energie zum baden oder duschen, obwohl ich es nötig hätte. Ich plumpse ins Bett, um nach ein paar Stunden mitten in der Nacht wieder aufzuwachen und schon wieder gestresst zu sein für den nächsten Tag. Für den Haushalt habe ich jetzt in den Frühlingsferien mehr Zeit. Wieder mal richtig aufräumen und putzen. In den Wochen mit Arbeit und homeschooling kann man das vergessen, was mich zusätzlich stresst.

Ich hatte seit Wochen keine sozialen Kontakte mehr. Bzw. keine direkten. Ich telefoniere zwischendurch mit Freundinnen und bei der Arbeit bin ich telefonisch in Kontakt mit dem Team und persönlich natürlich mit den zu betreuenden Personen. Zuhause mit dem Kind. Ich beneide momentan Frauen ein wenig, die zuhause einen Mann haben, der zuhause ist oder abends nach Hause kommt und mit dem man reden kann. Irgendetwas erzählen, Ängste teilen, zuhören. Einfach so etwas. Ich habe das ja nie. Im Normalfall wird das kompensiert von meinen Kontakten, meinen Freunden und Freundinnen, die sich mit mir austauschen. Jetzt nicht. Mir fehlt das sehr.

Das Kind hatte auch seit Wochen keinen persönlichen Kontakte zu andern Kindern. Wir sind seit Wochen zuhause, oft auf der Terrasse oder mit den Fahrrad oder zu Fuss ein wenig unterwegs.
Sie macht es richtig gut, muss ich sagen. Aber ich merke in den letzten Tagen auch, wie es anfängt an ihr auch ein bisschen zu nagen. Sie ist empfindlich, braucht extrem meine Nähe und ist zum Teil echt übel gelaunt. Eine schwierige Zeit, auch für Kinder, das darf man nicht vergessen.

Corona ist ja nicht nur eine soziale Situation, sondern vor allem auch eine gesundheitliche und ist durchaus eine meiner grossen Sorgen. Ich habe tatsächlich Angst, was passieren würde, wenn ich krank würde, ins Krankenhaus müsste oder eventuell sogar sterben würde. Was wird dann aus meinem Kind? Es muss ja nicht gleich der Todesfall sein, der Krankheitsfall würde reichen. Das darf nicht passieren, auf gar keinen Fall. Aber ich habe nicht die Möglichkeit mich so zu schützen, wie ich es gerne tun würde.

Finanziell sieht es bei mir normal aus. Andere alleinerziehende Elternteile sind auch finanziell in grosser Not, was sehr, sehr belastend ist.

Das ist ein langer Text geworden und ich hoffe, er langweilt euch nicht. Ich weiss, es geht ganz vielen da draussen genau so wie mir. Es ist für alle schwierig und wir müssen das jetzt einfach durchhalten. Ich denke aber schon, dass gerade ein reiches Land wie die Schweiz auch Familien, egal ob alleinerziehend oder nicht, mehr unterstützen dürfte. Mich enttäuscht es schon recht, was da alles als ganz selbstverständlich verlangt wird, währenddem Milliarden ausgegeben wird, um die Wirtschaft zu unterstützen (was auch notwendig ist). Familien sind für die Wirtschaft auch wichtig. Und vielleicht geht es ausnahmsweise mal nicht nur ums Geld, sondern um den Menschen…. Schön wäre das.

Manchmal

Manchmal möchte ich etwas ganz wichtiges sagen
und bin so sprachlos.

Manchmal finde ich alles so laut,
obwohl niemand etwas sagt.

Manchmal kann ich nicht schlafen,
obwohl ich so erschöpft bin.

Manchmal ist alles so trostlos
und man merkt nicht, dass man in die falsche Richtung schaut.

Manchmal denkt man zurück,
obwohl man voraus schauen sollte.

Manchmal denkt man, alles macht keinen Sinn,
aber man kennt ihn nur noch nicht.

Manchmal wünscht man sich Gesellschaft,
obwohl man an sich selbst die beste hätte.

Manchmal schlägt man falsche Wege ein,
wird aber nie erfahren, ob sie tatsächlich falsch oder trotz allem genau richtig waren.

Manchmal möchte man etwas
und bekommt genau das Gegenteil davon.

Manchmal schreibt man alles ganz genau auf
und trotzdem wird zwischen den Zeilen gelesen.

Manchmal denke ich, dass unsere Gesellschaft
noch nicht so weit ist, achtsam zu sein. Für uns selbst, für andere und auch für unseren Planeten.

Manchmal denke ich, dass nach dieser schwierigen Zeit vieles anders sein wird, weil der Mensch daraus lernt.

Und manchmal weiss ich, dass das nicht so sein wird.

Manchmal habe ich das Gefühl,
dass so viele vieles nicht verstehen.

Und manchmal schaue ich in die Welt hinaus
und bin mir nicht sicher, ob ICH es verstehe.

Vorfreude ist die schönste Freude…

Ich verstehe die Massnahmen, die wir seit ein paar Wochen einhalten müssen. Ich verstehe die nicht nur, ich finde sie auch sinnvoll und gut. Soweit ich das beurteilen kann. Ich vertraue da den Fachleuten, die dies bestimmen. Und es ist mir klar, dass es keine Erfahrungswerte gibt (denn das ist eine ganz neue Situation) und auch, dass es nicht möglich ist einen 100%igen Lockdown zu vollziehen. Ich glaube ja, die die dies fordern oder die getroffenen Massnahmen kritisieren, wären die ersten, die reagieren, wenn man gar nichts mehr einkaufen oder gar nicht mehr raus dürfte. Dazu habe ich etwas passendes gelesen:

Aber das nur am Rande…

In der Freizeit ist jetzt alles ruhiger, stiller. Man kann ausser spazieren oder radfahren nicht viel unternehmen. Das empfinde ich zwar als angenehm. Mir fehlt das alles nicht sehr, da ich auch im Normalfall neben den zu erfüllenden Pflichten nicht viel Zeit für sowas habe. Und auch, weil ich auch im Normalfall die Ruhe geniesse.

Aber es gibt schon Dinge, die mir fehlen. Im grossen und ganzen fehlt mir einfach das normale Leben. Das, was wir doch so oft als langweilig und auch ein bisschen eintönig empfinden. Genau das. Das will ich zurück.

Ich vermisse vor allem den direkten Kontakt zu den Menschen, die ich lieb habe. Mal einen Kaffee zusammen trinken und reden, das wäre schön. In einen netten Café sitzen und einfach den Moment geniessen… Spontan eine Freundin besuchen, Ausflüge machen oder Besuch empfangen, all das halt.

Eine meiner Freundinnen hat eine schwierige Zeit im Moment. Ich kann nicht zu ihr, um ihr zu zeigen, dass ich da bin. Ich kann nicht persönlich mit ihr sprechen, kann sie nicht in die Arme nehmen, nichts. Das fehlt mir.

Ich gehe nicht mehr gern einkaufen. Einkaufen ist momentan unentspannt und ein unangenehmes Übel, das einfach gemacht werden muss. Ich plane momentan Einkäufe sehr gut, damit einmal pro Woche ausreicht. Ich vermisse es, unbeschwert einkaufen zu gehen. Oder wenn ich etwas vergessen habe, einfach noch schnell in ein Geschäft zu gehen, um es zu holen.

Seitdem ich alleinerziehend bin, gehe ich viel seltener zum Friseur als vorher. Einfach, weil es teuer ist und ich es mir nicht mehr alle zwei Monate leisten kann oder will. Ich war jetzt seit vier oder fünf Monaten nicht mehr dort. Meine Haare sind wirklich lang geworden und meine grauen? dunkelblonden? Ansätze sind nicht mehr zu übersehen. Ich freue mich auf meinen nächsten Friseur-Besuch. Nicht nur wegen der ausgezeichneten Arbeit, die meine Friseurin leistet um mich zu verschönern, sondern weil die zwei Stunden bei ihr Wellness für mich sind.

Ich vermisse es, Zeit für mich zu haben. Es muss nicht viel sein, nur ab und zu vielleicht ein, zwei Stunden. Das fehlt momentan total, weil das Kind keine Schule hat. Und wenn es beim Papa ist, arbeite ich fast immer.

Ich vermisse auch die Wochentage. Ich will Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag zurück! Und das Wochenende! Zur Zeit fühlt sich jeder Tag an wie der andere. Heute ist zB der vierte Montag dieser Woche.

Ich vermisse meine Freiheit. Obwohl wir ja noch ganz viel tun dürfen (und ich will mich nicht beklagen), können wir auch ganz viel nicht tun.

All das vermisse ich und noch viel mehr. Und auf all diese Dinge freue ich mich! Schritt für Schritt wird alles wieder möglich sein und ich glaube, viele von uns werden dann den ganz normalen Alltag wieder schätzen. Solche Dinge, von denen wie noch vor weniger als einem halben Jahr nie gedacht hätten, dass wir sie nicht mehr tun dürfen.

Vorfreude ist die schönste Freude, wie man sagt… Stimmt!

s y s t e m r e l e v a n t

 

Wahnsinn, wie wir in diesem Jahr Menschen in Schubladen schubsen, in Kategorien denken und werten. Und abwerten.

Risikopatient – Nicht-Risikopatient
Und dabei scheint es für einige auch total okay zu sein, wenn sogenannte Risikopatienten nun gefährdet sind oder gar sterben, denn sie waren ja vorerkrankt. Aha…. Aber an Asthma stirbt man zB im Normalfall eigentlich nicht. Und besonders nicht mit 40. Dasselbe gilt für ganz viele andere Risikopatienten. Sie würden an ihrer Vorerkrankung nicht sterben oder zumindest noch ganz, ganz viele Jahre nicht. Sie leben damit, nehmen unter Umständen jeden Tag Medikamente und sterben irgendwann ganz normal, wenn sie alt sind.
Ah jaaa…. und wie sieht es eigentlich mit den alten Menschen aus? Ab 65 ist es also total okay, wenn man am Corona stirbt, man ist ja sowieso alt und wäre bald gestorben. Vielleicht wären sie morgen so oder so gestorben, stimmt. Vielleicht aber auch erst in 20 Jahren. Und ein Menschenleben ist ein Menschenleben, egal ob man krank oder alt ist. Da ist man nicht weniger wert als Gesunde. So ein Menschenleben soll geschützt werden. Meine Meinung.

Infiziert – gesund

systemrelevant – und eben nicht

Ich finde es eigentlich ziemlich daneben, muss ich sagen…

Systemrelevant ist für mich auch definitiv das Unwort dieses Jahres. Berufsgruppen, die bisher ja kaum beachtet wurden, ermöglichen uns jetzt noch ein einigermassen normales Leben. Ermöglichen uns trotz Einschränkungen ein gewisses Mass an Freiheit und Luxus. Ermöglichen uns die Versorgung, falls wir krank werden. Vor allem die Angestellten von Lebensmittelläden geniessen momentan viel Lob und Dank. Und auch das Personal im Gesundheitswesen. Oder die Postboten.
Sehr zurecht, das ist klar. Aber die waren schon immer systemrelevant, nicht erst jetzt. Und viele von ihnen waren auch schon immer unterbezahlt und ihre Arbeit wurde nur wenig wertgeschätzt.

Ich finde es schön, wenn ihnen gedankt wird für ihren Einsatz und ihre momentan wirklich nicht angenehme Arbeit.
Ich fände es noch schöner, wenn dieser Dank auch anhält und Folgen hat z.B. finanzielle oder bei den Arbeitsbedingungen, wenn es uns wieder besser geht und wir nicht mehr so sehr auf diese Menschen angewiesen sind.

Es werden aber so viele vergessen. Es wird an die gedacht, die wir persönlich wichtig finden im Moment. Die, die uns helfen, unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Was ist zum Beispiel mit den Polizisten? Die helfen mit, dass wir alle uns an die Massnahmen des Bundes halten. Eine bestimmt nicht nur angenehme Aufgabe, müssen sie doch Spielplätze und Parks absperren und Bussen verteilen. Und doch sehr nötig, weil sich scheinbar sehr viele schwer tun damit, sich ein wenig einzuschränken und dieses „Zusammen“ nicht verstanden haben.
Oder der Bundesrat. Ich muss ja zugeben, ich bin zu einem Fan von Bundesrat Berset mutiert. Und auch von Herrn Koch. Wahnsinn, diese Verantwortung. Und die machen das gut! Es ist einfach, zu kritisieren und zu sagen, was man alles anders machen würde, ja. Aber dann muss man halt auch sehen, dass sie meisten, die das momentan sagen, keine Ahnung von irgendwas haben, ne?

Oder die Angestellten der Müllabfuhr und der Entsorgungsstellen? Und die Bauern? Die Lastwagenfahrer? Die Bäckerinnen? Die Metzger? Die Müller? Reinigungspersonal? Die alle und noch viele mehr arbeiten, ohne dass es ihnen jemand verdanken würde.

Und dann sind da noch wir. Die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen. Wir wurden durchs Band vergessen. Wie immer eigentlich.
Wir arbeiten vor allem mit Menschen, die ihr manchmal als randständig bezeichnet. Mit Menschen in schwierigeren Situationen oder mit Menschen mit Einschränkungen. Mit Kindern und Jugendlichen, Menschen mit Behinderungen, psychischen Erkrankungen oder Suchtproblematiken. Uns trifft man auch in Frauenhäusern, Gefängnissen oder Asylzentren an. Manche von uns arbeiten in der Betreuung, andere in der Beratung.
Wir arbeiten. Auch jetzt.
Wir arbeiten, weil wir unseren Betreuungsauftrag erfüllen müssen und auch wollen. Wir lassen die uns anvertrauten Menschen nicht im Stich, denn sie brauchen uns. Immer und ganz besonders jetzt.

Hast du gewusst, dass ich als Sozialpädagogin mindestens den Abschluss einer Höheren Fachschule oder sogar einer Fachhochschule habe und aber nur einen Bruchteil davon verdiene, was man in anderen Berufen mit dem selben Abschluss verdient?

 

Ich hoffe, dass wir aus dieser Krise lernen, dass alle systemrelevant sind. Dass es ohne den Bauern nicht genug Mehl im Regal im Supermarkt hat und dass es ohne den Maurer noch nicht mal einen Supermarkt gäbe. Dass die Wichtigkeit des einen, den andern nicht abwertet oder weniger wichtig macht. Sondern dass irgendwie jeder seinen Beitrag leistet und es ein Miteinander ist.

Auf der ganzen Welt…

Wir stecken alle in dieser Situation. Jeder wieder anders, aber alle betrifft es. Das ist irgendwie mal etwas Neues, oder? Es gibt im Leben immer mal Krisen. Persönliche zum Beispiel. Die betreffen dann einen einzelnen Menschen oder eine kleine Menschengruppe, z.B. eine Familie. Oder andere Krisen betreffen ganze Bevölkerungsgruppen, z.B. die Hungersnot in Afrika oder die Situation in Syrien, ein heftiges Erdbeben in Kroatien, wahnsinnige Waldbrände in Australien, um nur einige zu nennen. Oft geschehen diese grossen Katastrophen irgendwo ziemlich weit weg von hier. Wir lesen davon oder sehen es im Fernsehen, wir sind betroffen und fühlen mit.

Natürlich geschehen auch hier Katastrophen, aber doch in einem andern Ausmass, oder? Wir haben zunehmend zerstörerische Stürme in der Schweiz. Auch Hochwasser oder Lawinen kennen wir. Auch schlimme Dinge, zweifellos, für die die es dann trifft.

Und jetzt trifft es uns alle.
Auf der ganzen Welt verbreitet sich diese Krankheit.
Auf der ganzen Welt sind viele, viele Menschen erkrankt und auch viele gestorben. Und es werden noch mehr.
Auf der ganzen Welt müssen Menschen mehr oder weniger zuhause bleiben, sind in ihrer Freiheit eingeschränkt und versuchen zusammen, die Verbreitung dieser Krankheit zu verhindern.
Fast auf der ganzen Welt dürfen oder müssen die Kinder nicht in die Schule.
Auf der ganzen Welt haben Menschen Angst um ihre Existenz.
Die halbe Weltbevölkerung ist zu Tode gelangweilt, die andere Hälfte der Weltbevölkerung arbeitet wahnsinnig viel im Moment.
Auf der ganzen Welt sind Menschen besorgt.
Auf der ganzen Welt gibt es Menschen, die alles für einen grossen Spuk halten und nicht so recht glauben mögen, was der Bund und Virologen uns erzählen.

Und auf der ganzen Welt weiss niemand, wie das alles noch heraus kommen wird. Und auch nicht, wie lange das alles noch dauern wird.

Vielen Menschen auf dieser Erde wird nun auch bewusst, was Berufsgruppen, die in der Vergangenheit wenig beachtet wurden und wohl allesamt unterbezahlt sind, eigentlich leisten und wie wichtig sie sind… Personal in den Läden… Reinigungsfachkräfte… die MitarbeiterInnen der Post… Menschen, die im Gesundheitswesen, in der Pflege und Betreuung tätig sind… Ich weiss nicht, ob ich alle aufgezählt habe. Für sie wird applaudiert, ihnen wird gedankt und sie werden vielleicht sogar mit Geschenken überrascht.
Durchaus schön.
Aber eigentlich finde ich es auch schäbig, um ehrlich zu sein. Jetzt, wo wir auf diese Menschen angewiesen sind, realisieren wir ihre Wichtigkeit erst? Wie schlimm ist denn das, bitte sehr? Ich finde es nicht besonders fortschrittlich. Aber besser jetzt als nie. Und es ist schwer zu hoffen, dass diese Hochachtung anhält, wenn die Corona-Krise vorbei ist und die Normalität wieder Einzug gehalten hat.

Richtig fortschrittlich finde ich unsere Gesellschaft erst dann, wenn sie realisiert, dass ALLE Berufe ihre Berechtigung und auch ihre Wichtigkeit haben. Dass es ein Miteinander ist und dass ein Beruf den andern ergänzt. Dass alle in einer Kette miteinander verbunden sind und wenn die Kette irgendwo reisst, hat das Folgen.
Und das betrifft nicht nur alle Berufe, sondern auch alle Tätigkeiten, die ja nicht als Beruf gelten und also auch nicht bezahlt werden, z.B. die der Person, die den Haushalt führt zuhause und die Kinder erzieht. Viele von denen sind zusätzlich berufstätig und leisten sehr viel und z.B. momentan das Doppelte als normal, denn sie unterrichten zuhause noch zusätzlich ihre Kinder, die nicht in die Schule können. Oder Menschen, die jemanden zuhause pflegen und betreuen. Bestimmt gibt es noch andere Beispiele und dass ich sie jetzt nicht erwähne soll nicht bedeuten, dass sie nicht auch mitgemeint sind.

Egal, wie lang das alles jetzt noch andauert, ich wünsche mir, dass unsere Hilfsbereitschaft und Rücksicht aufeinander auch danach anhält. Und dass die Berufsgruppen, die jetzt so viel leisten, danach nicht nur weiterhin grosse Anerkennung, sondern auch eine angemessene Entlöhnung erhalten werden.